Oberschule

Oberschule ist keine Alternative zur IGS

Nach dem Zweiten Bildungsgipfel: Noch nicht einmal ein Trippelschritt?

"Schade, schade! Die schwarz-gelbe Regierung hat keine Kraft für den Schulkonsens, der so greifbar nahe war. Nun geht der Schulformstreit in den kommenden Wahlkämpfen weiter und der Kultusminister wird es den Eltern und Schulträgern nicht verständlich machen können, wenn er ihnen Anträge auf vierzügige Integrative Gesamtschulen verweigert, aber dreizügige Oberschulen zulässt", so fasst der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Eberhard Brandt die Kritik an der Haltung der Landesregierung zusammen.

 

Es müsse Althusmann gelingen, die aus den Landkreisen vorliegenden Anträge auf eine vierzügige IGS durch eine Ausnahmeregelung zu genehmigen. Aktuell geht es um 16 Orte, an denen Eltern und Kommunen eine IGS wünschen, wie der Kultusminister im Novemberplenum des Landtages mitgeteilt hatte. "Setzen Sie sich mit den Spitzenorganisationen der Schulträger an einen Tisch und formulieren Sie gemeinsam eine Regelung, die bis zu den Landtagswahlen eine praxisgerechte Lösung zur Errichtung von IGS n im ländlichen Raum ermöglicht", fordert Eberhard Brandt. Nach dem großen Tamtam bei der Bildung der neuen Regierung, nach der Ankündigung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe müsse wenigstens diese Tür geöffnet werden. Derzeit sei sie zugeschlagen, weil Althusmann die von der FDP formulierte Ausnahmeregelung übernommen habe. Der Kultusminister wisse, dass sie absurd ist: In den 18 Landkreisen, in denen es bisher keine IGS gebe, dürfe danach eine neue IGS gegründet werden. Die 16 vorliegenden Anträge kämen aus Landkreisen, in denen es bereits eine IGS gebe, und sie sollen nach dem Willen der FDP abgelehnt werden.

Die Schulträger, der Landeselternrat, die GEW und andere wichtige Bildungsorganisationen sowie die Oppositionsparteien hatten auch beim zweiten Bildungsgipfel den Kompromiss vertreten, auf den sie sich vor Wochen geeinigt hatten: Die Schulträger erhalten die Möglichkeit, neben den oder statt der bestehenden Schulformen kooperative und integrative Haupt- und Realschulen sowie Integrierte Gesamtschulen einzurichten. Im Abseits stand dabei der Philologenverband, der nur für einen Teil der Gymnasiallehrkräfte spricht und sich in hysterischer Panikmache übt. Er hatte sich diesem Konsens ebenso vehement verweigert, wie er die Regierungspläne verurteilt. Die Schulträger begrüßten beim zweiten Bildungsgespräch wie schon beim ersten, dass ihnen die Möglichkeit eingeräumt werden soll, Haupt- und Realschulen zusammenzufassen, hielten aber explizit an den Forderungen fest, dabei mehr Flexibilität und Gestaltungsfreiheit zu erhalten sowie die Möglichkeit, vier- und dreizügige IGS n zu errichten.

Die Verweigerung von fairen Konkurrenzbedingungen für die Integrierten Gesamtschulen könne nur einen Grund haben: Die Regierung traue ihrem Oberschulmodell nicht zu konkurrenzfähig zu sein.

Die GEW hält die "Oberschule" nicht für eine geeignete Lösung. In der Regel würden bei den vorhandenen kombinierten Haupt- und Realschulen nur die Türschilder ausgewechselt. Außerdem würden weitere Zusammenlegungen dieser Schulformen ermöglicht. Die Bildung einer Gymnasialklasse an verbundenen Haupt- und Realschulen werde wohl eher eine Ausnahme bleiben. Brandt kritisiert, dass die Ausführungen zu den Oberschulen widersprüchlich seien. Vor CDU-Gremien und bei den Philologen betone Althusmann, dass die Oberschule keine Gesamtschule sei, vor anderen äußere er, sie sei fast eine IGS. An der Gestaltungs- und Durchsetzungsfähigkeit des Ministers zweifelt der GEW-Vorsitzende. "Wenn der Minister sich bereits die Verordnung über die Errichtung von IGSn von der FDP diktieren lässt, wie soll er es da schaffen, bei der Oberschule nicht vom Niedersachsenschule -Modell der FDP abzuschreiben?"