Sozialpädagogik

Schulsozialarbeit – Ein integraler Bestandteil von Ganztagsschule?!

Eine Fachtagung platzt aus den Nähten

Die gemeinsame Fachtagung der Fachhochschule Hannover (FHH), Fakultät 5, Abteilung Soziale Arbeit, der GEW und der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Schulsozialarbeit Niedersachsen (Nds) zum Thema „Schulsozialarbeit – ein integraler Bestandteil von Ganztagsschulen?!“ fand unerwartet starken Anklang! Die Tagung die am 24. Februar an der FHH Fakultät 5 stattfand, war mit 230 Teilnehmerinnen und Teilnehmern völlig ausgebucht. Das sowohl sozialpädagogisch als auch tagespolitisch aktuelle Thema wurde facettenreich diskutiert: Ganztagsschule, lokale Bildungslandschaften, Vernetzung, Inklusion, Forschung, politische Perspektiven und Arbeitskonzepte waren nur einige Stichworte, die in den elf angebotenen Workshops verhandelt wurden.

 

Heike Dieball, Dekanin des Fachbereichs Soziale Arbeit an der FHH, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die aus weiten Teilen der Republik angereist waren, an der Fachhochschule in Hannover. Der Landesvorsitzende der GEW, Eberhard Brandt, machte auf die aktuelle Situation von Schulsozialarbeit in Niedersachsen aufmerksam. Für den Vorstand der LAG Schulsozialarbeit in Niedersachsen, stellte Jörn Hannemann die Positionen der LAG vor. Alle drei kamen im Rahmen der Auftaktveranstaltung der Tagung zu dem Schluss, dass Schulsozialarbeit sich stetig weiter professionalisiert, dass aber die Rahmenbedingungen in der Praxis längst nicht ausreichend sind.

Als Ehrengäste wurden der Referent für Jugendhilfe und Schule des GEW Hauptvorstands, Bernhard Eibeck, und der Wissenschaftler Prof. em. Jan Tillmann vorgestellt. Beide haben in der Vergangenheit viel für die Profession Schulsozialarbeit getan und mischen sich nach wie vor immer wieder in aktuelle Debatten ein. Bernhard Eibeck setzt mit dem Kooperationsverbund Schulsozialarbeit Standards auf Bundesebene.

Als Hauptreferent führte Prof. Dr. Karsten Speck von der Universität Oldenburg anschließend in die komplexe Thematik der Tagung ein. Schulsozialarbeit sei noch lange kein fester Bestandteil in den Ganztagsschulen der Bundesrepublik Deutschland und insbesondere in Niedersachsen bedarf es einer Fachaufsicht aus der Jugendhilfe, da sich auch Schulsozialarbeit in schulischer Trägerschaft deutlich am Kinder und Jugendhilfegesetz (KJHG) orientieren muss, um ihre Fachlichkeit zu sichern.
Er referierte mit einer Lebendigkeit, die die Zuhörerinnen und Zuhörer begeisterte sowie zu vielen Gesprächen und Diskussionen in der anschließenden Pause anregte.

 

In den anschließenden Workshops wurde sehr intensiv gearbeitet. Ihre wichtigsten Ergebnisse wurden wie folgt festgehalten und dem Abschlussplenum präsentiert:
WS 1 - Schulsozialarbeit, Ganztagsschule und lokale Bildungslandschaften als Herausforderung, Prof. Dr. em Erich Hollenstein, FHH, Prof. Dr. Frank Nieslony, FH Darmstadt

Moderne Bildungslandschaften können nur unter Einbeziehung der Jugendhilfe ihre Planungsvorhaben im Sinne eines „vernetzten Systems von Erziehung, Bildung und Betreuung“ realisieren. Schulsozialarbeit muss sich dazu in der fachpolitischen Landschaft offensiver positionieren. Das bildungspolitische Ziel muss sein, unverzichtbarer Bestandteil multiprofessioneller Schulreformprozesse zu sein.

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Schulsozialarbeit, Ganztagsschule und lokale Bildungslandschaften als Herausforderung

WS 2 - Viele Welten leben – Interkulturelle Kompetenzen in der Schulsozialarbeit
Migrationspädagogische Kompetenz ist eine unverzichtbare Schlüsselqualifikation der Schulsozialarbeit. Prof. Dr. Wolfram Stender, FHH, Gertraud Hollega, Studierende FHH

WS 3 - Konzeptentwicklung und Erwartungen an Schulsozialarbeit in der Ganztagsschule
Wir fordern qualitativ klare Rahmenbedingungen für die Umsetzung unserer guten Konzepte an den Schulen! Diplom Sozialarbeiter/Sozialpäd. und Schulsozialarbeiter: Christian Kerber (Land), Jörg Ratzmann (Kommune)

Downloads:
Christian Kerber: Schulsozialarbeit an der Grundschule Hägewiesen
Christian Kerber: Programm "Schule im Stadtteil" Konzept für die GS Hägewiesen
Christian Kerber / Jörg Ratzmann: "Kooperation und Vernetzung mit außerschulischen Partnern"
Erlass Ganztagsschule
Pressemitteilung – Heiligenstadt: Land muss Schulsozialarbeit stärken

WS 4 - Kooperationen auf Augenhöhe?!
Prof. Dr. Maria Busche- Baumann , HAWK- Hildesheim, Diplom Sozialarb./Sozialp. Jörn Hannemann, LAG Schulsozialarbeit
Kooperation auf Augenhöhe muss längerfristig erarbeitet werden, durch die Veränderungen der politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen und die Weiterentwicklung der Professionen

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WS 5 - Nachhaltige Kooperations- und Vernetzungsstrukturen – Das Modell der Delmenhorster Präventionsbausteine, Prof. Dr. Anke Spies, Universität Oldenburg
Politische Forderung: Schaffung von kommunal verorteten träger-übergreifenden Koordinationsstellen, um regionale Vernetzungsstrukturen zur fachlichen Kooperation zu fördern und als Lobby für ein einheitliches Profil von Schulsozialarbeit mit individuell gesetzten Schwerpunkten zu fungieren

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Prof. Dr. Anke Spies: Nachhaltige Kooperations- und Vernetzungsstrukturen – Das Modell der Delmenhorster Präventionsbausteine

WS 6 - Die außerschulische Jugendarbeit/ Jugendhilfe und ihr Blick auf die Ganztagsschule, Dipl. Sozialpädagoge/ M.A. Sozial, und Erziehungswissenschaftler Frank Mattioli-Danker, u.a. FH Hannover,
Die offene Jugendarbeit und die Ganztagsschulen sind gleichberechtigte Teile der sozialraumorientierten Arbeit. Die Politik hat für eine parallele Finanzierung zu sorgen. Auch hier gibt es Handlungsbedarf für die GEW! (Anm. der Verf. Letzter Satz leicht verändert)

WS 7 - Schulsozialarbeit und Inklusion
Dipl. Sozialpädagoge Werner Potthast, Förderschullehrer Yann Siewert
Schulsozialarbeit und Inklusion – Nicht einsam - nur gemeinsam
Schulsozialarbeit hat jetzt die Chance neue zeitgemäße Konzepte zu entwickeln, bevor es andere für uns tun!

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WS 8 - Voneinander lernen“ – Forschung und Praxis im Dialog
Prof. Dr. Florian Baier, FHNW Basel Schweiz, M.A. (Social Work) Anja Terner, u. a. FHH
Die Erfahrungswelten von Forschung und Praxis sollten sich aufeinander zu bewegen, Spannung und Kritik aushalten und das Dreieck Forschung, Theorie und Praxis Sozialer Arbeit weiterentwickeln.

Downloads:
Prof. Dr. Florian Baier: Voneinander lernen. Forschung und Praxis im Dialog
Prof. Dr. Florian Baier: Entwicklungen in der Forschung in Deutschland und der Schweiz
Anja Terner: Pädagogische Arbeitsbeziehungen in der Schulsozialarbeit
Ergebnissicherung

WS 10 - Politische Perspektiven eröffnen!- Wie weiter?!
Meike Grams (LAG/GEW), Rainer Siegmund (LAG), Frank Traffa, GEW Nds. Renate Frauendorf (GEW)
Schulsozialarbeit: ein fester, integraler Bestandteil an allen Schulen in Niedersachsen!
-Umsetzung von unseren geforderten Standards

Downloads:
Überblick über den aktuellen Stand Ganztagsschule (GTS) und Schulsozialarbeit
Kurzvorstellung eines niedersächsischen Netzwerkes für Schulsozialarbeit

WS 11 - Schulsozialarbeit und Elternarbeit – Das Modell der IGS-Kronsberg
Dipl. Sozialarbeiter/Sozialpädagoge Schulsozialarbeiter Mario Jansen, Moderation: B.A. (Social Work) Janine Beschorner
„Herr Müller, ich sag Ihnen mal eben kurz hier auf dem Flur wo´s mit Ihrem Sohn langgehen muss!“
Gelingende, wertschätzende Elternarbeit beruht auf gemeinsamer Verantwortung auf Augenhöhe, benötigt gute Rahmenbedingungen und eine professionelle Haltung!

 

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Monika Raudies: Resümee und Konsequenzen - Maßstäbe setzen !
Statements aus den Workshops

Schließlich moderierte Mo Raudies sehr anschaulich die Abschlussdiskussion und stellte die Frage danach, welchen weiteren Weg das Schiff „Schulsozialarbeit“ nimmt und welchen „Kraftstoff“ es dazu braucht.

Renate Frauendorf (GEW, Fachgruppe Sozialpädagogische Berufe) und Frank Traffa (Referat Jugendhilfe) nutzten den Rahmen der Fachtagung und brachten folgende Erklärung ein: Die von der Bundesregierung neu beschlossene Ausweitung von 3000 Stellen im neuen Hartz IV-Paket müssen wirklich zu Schulsozialarbeitsstellen werden und die finanzielle Zuwendung dafür darf nicht in irgendwelchen Töpfen versickern. Diese neuen Stellen dürfen weder im Landesdienst noch bei den Kommunen prekäre Arbeitsverhältnisse sein! Alle anwesenden Teilnehmerinnen, Teilnehmer und Workshopleiter/innen stimmten der Erklärung mit großem Beifall zu.

Die Fachtagung lieferte vielfältige inhaltliche Auseinandersetzungen und einen Dialog zwischen den Tätigen in Wissenschaft und Praxis und Studierenden. Auf diese Weise setzte sie zudem ein deutliches bildungspolitisches Signal für die Bildungslandschaft Niedersachsen: Schulsozialarbeit muss in den Schulen und in der zukünftigen Schulentwicklung ein fester Bestandteil sein! Dazu gehören auch verlässliche unbefristete Anstellungsverhältnisse für die sozialpädagogischen Fachleute.

Die Tagungsunterlagen können in Kürze auf der Internetseite der GEW und der LAG Schulsozialarbeit Niedersachsen www.schulsozialarbeit-nds.de eingesehen werden.