Berufliche Bildung stärker in den Fokus nehmen

2017-11-23
Berufliche Bildung stärker in den Fokus nehmen
Beschluss des GEW-Landesvorstands
Noch immer bleiben zu viele junge Menschen ohne Berufsausbildung. Trotz Zunahme der Erwerbsbevölkerung ist ein Rückgang der Zahl der ausbildenden Betriebe zu beobachten.
Gleichzeitig haben viele Betriebe Probleme, ihren Fachkräftebedarf zu decken. Neben der demografischen Entwicklung und dem Wandel der beruflichen Strukturen, ist auch die Entscheidung von immer mehr Jugendlichen, ein Studium anzustreben, eine Ursache für diese Entwicklung.

Die in Teilen der Berufsbildung zu beobachtende Akademisierung der Berufsausbildung kann diese Probleme nicht lösen, dagegen bietet die Stärkung der dualen Berufsausbildung neben der traditionellen schulischen Berufsausbildung für viele Jugendliche gute Perspektiven.
Entscheidende Voraussetzung für eine attraktive, zukunftsfähige duale Berufsausbildung werden eine Verbesserung der Arbeits- und Ausbildungsbedingungen in den Betrieben, eine deutlich höhere Ausbildungsquote der Betriebe und die Steigerung der Leistungs- und Innovationsfähigkeit der Berufsbildenden Schulen sein.
Die Berufsbildenden Schulen brauchen eine moderne technische Ausstattung, eine demokratische Schulverfassung und mehr Lehrkräfte-Nachwuchs.
Das Land muss jetzt zusätzliche Impulse setzen und verstärkt in die berufsbildenden Schulen investieren.
Die Gleichwertigkeit der Beruflichen Bildung mit der Hochschulbildung muss gewährleistet werden, alternative Hochschulzugangsberechtigungen sind auszubauen. Schulformen der Berufsbildenden Schulen, die die Zugangsberechtigung zur Hochschule vermitteln, sind zu stärken, Möglichkeiten zur beruflichen Weiterbildung an Berufsbildenden Schulen sind auszubauen.

Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen an die Berufliche Bildung insgesamt und einer andauernd unzureichenden Unterrichtsversorgung fordert die GEW Niedersachsen von der Landesregierung:


Konsequente Umsetzung der Neuausrichtung des Übergangssystems Schule-Beruf.

Dazu gehören eine an den Interessen der Jugendlichen orientierte Berufsorientierung an allen allgemeinbildenden Schulen, die Einrichtung eines flächendeckenden Beratungssystems mit Jugendberufsagenturen und ein harmonisierter Übergang in die Berufsausbildung.


Neuausrichtung des Eingangssystems der Berufsbildenden Schulen mit dualisierten Systemen für Jugendliche ohne Ausbildungsvertrag.

Ziel der Berufseinstiegssysteme ist die Förderung der Jugendlichen bei hoher Durchlässigkeit in das System der dualen Berufsausbildung. Die Förderung umfasst auch die Unterstützung der ausbildenden Betriebe, zum Beispiel in Form der assistierten Ausbildung.
Bei anhaltendem Mangel an Ausbildungsplätzen gehören auch einjährige Berufsfachschulen, für Jugendliche, die sich vergeblich um einen Ausbildungsplatz bemüht haben, in das Einstiegssystem der Berufsbildenden Schulen. Diese vermitteln die Inhalte des ersten Ausbildungsjahres und sind auf die duale Ausbildung anzurechnen.
Zwischen den einzelnen Systemen besteht eine hohe Durchlässigkeit, dazu müssen die administrativen Regeln für Klassenbildung und Budgetierung angepasst werden.

Das Recht auf Ausbildung auch in Niedersachen umzusetzen

Die Landesregierung muss sicherstellen, dass Schülerinnen und Schülern, bei denen die Vermittlung während bzw. nach Ablauf eines Berufsfachschuljahres in eine reguläre Ausbildung nicht gelingt, die begonnene Ausbildung weiterführen und bei dualen Ausbildungsberufen mit einer Kammerprüfung abschließen können.

Ein wohnort- bzw. betriebsnahes Ausbildungsangebot gewährleisten

Die demografische Entwicklung und Veränderungen in Berufs- und Ausbildungsstrukturen führen in Teilen Niedersachsens zu Problemen bei der Klassenbildung in den Berufsschulen. Hier sind dringend Konzepte zu entwickeln, die die berufliche Bildung in der Fläche sichern.
Bildungsgänge müssen über die Grenzen der Schulträger hinweg so angeboten werden, dass Ressourcen gerecht verteilt werden und die Qualität der Ausbildung durch eine moderne Ausstattung gewährleistet wird. Das Land ist gefordert, hier mit Schulträgern, Berufsbildenden Schulen und den zuständigen Kammern in moderierende Gespräche einzutreten.
Die Konzepte dürfen weder zu Lasten der betroffenen Lehrkräfte noch der Schülerinnen und Schüler gehen.

Dem Mangel an Lehrkräften an den Berufsbildenden Schulen entgegenwirken

Nur mit einer deutlich verbesserten Lehrkräfte-Versorgung können die Berufsbildenden Schulen ihren vielfältigen Aufgaben gerecht werden.
Um das Lehramt an Berufsbildenden Schulen attraktiver zu machen, müssen Arbeits- und Aufstiegsbedingungen verbessert werden. Die Unterrichtsversorgung in Berufsbildenden Schulen ist deutlich zu steigern, die im Vergleich zu anderen Bundesländern schlechtere Besoldung ist anzuheben.
Die universitäre Berufsschullehrerausbildung ist auf die Zukunft auszurichten und dem Mangel an Fachlehrkräften ist mit geeigneten Maßnahmen entgegenzuwirken. Hierzu sind alle Möglichkeiten der Niedersächsischen Laufbahnverordnung Bildung anzuwenden. Ferner müssen zur zeitnahen Versorgung mit Lehrkräften in Mangelfächern Weiterbildungsmaßnahmen angeboten werden.

Die Inklusion konsequent und zum Wohle aller umzusetzen

Bei der Inklusion dürfen die Lehrkräfte nicht allein gelassen werden. Weitere Ressourcen für Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen und mehr Stellen für Pädagogische Fachkräfte an Berufsbildenden Schulen müssen bereitgestellt werden.
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