Bildung & Politik

Besserungen bei Referendariat und Turbo-Abi

Neues für die Gesamtschulen

Anfang März stellte die neue Kultusministerin Frauke Heiligenstadt eine Reform des Referendariats für das sogenannte höhere Lehramt vor. Referendare mit dem Lehramt Gymnasium können jetzt ihr Referendariat wieder vollständig an einer Gesamtschule absolvieren. An dieser Schulform arbeiten 40 Prozent der Lehrkräfte in diesem Lehramt. Mit der steigenden Anzahl der Gesamtschulen entstehen neue zusätzliche Arbeitsplätze für die jungen Gymnasiallehrkräfte. Deren Chancen, einen interessanten Arbeitsplatz zu bekommen, verbessern sich. Gesamtschulen haben sich als gute Ausbildungsschulen bewährt. Sie erhalten nun wieder einen leichteren Zugang zu jungen KollegInnen. Mit dieser Entscheidung wird ein erster Schritt getan, um die Diskriminierung der Gesamtschulen zu überwinden.

Die GEW setzt sich dafür ein, dass die Ausbildung an den Studienseminaren für das höhere Lehramt den neuen erweiterten Aufgaben angepasst wird. Sie bilden nicht nur für die 221 öffentlichen Gymnasien aus, sondern auch für die über 100 Gesamtschulen in Niedersachsen. Ihre Anzahl wird in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Die Arbeit an beiden Schulformen sollte in der Referendarsausbildung ausdrücklich verankert werden. Die GEW regt an, dass die LeiterInnen und FachseminarleiterInnen, die bisher ausschließlich Unterrichtserfahrung an Gymnasien haben, Fortbildungen an den Gesamtschulen absolvieren, um sich mit der Pädagogik heterogener Lerngruppen vertraut zu machen. Zudem muss endlich wieder zugelassen werden, dass SeminarleiterInnen und FachseminarleiterInnen die Wahl haben, ob sie einem Gymnasium oder einer Gesamtschule zugeordnet werden und dort auch ihren eigenen Unterricht halten.


IGS: Schluss mit Turbo-Abi und Dreier-Differenzierung
Susanne Schrammar, Pressesprecherin des Kultusministeriums, kündigte an, dass die Landtagsfraktionen von SPD und Grünen in das Landtagsplenum Mitte April schulrechtliche Änderungen einbringen werden, nach denen das Abitur an Gesamtschulen künftig im 13. Schuljahrgang abgelegt wird. Auch der Zwang zur Dreier-Differenzierung ab Schuljahrgang 9 soll wieder fallen. Das Schulgesetz und die entsprechenden Verordnungen sollen so zügig geändert werden, dass sie zum kommenden Schuljahr gültig sind. Die IGSen und die nach Jahrgängen organisierten Gesamtschulen können sich in ihren Planungen schon jetzt darauf einstellen. Weitere Regelungen für die Ausgestaltung der Gesamtschulen werden – so die Ankündigung – intensiver zu beraten sein und erst später in die parlamentarische Beratung gehen.
Die Abschaffung des Turbo-Abiturs an Gesamtschulen wurde höchste Zeit. Nun musste keine IGS auf eine Schulorganisation umsteigen, die das gemeinsame Lernen bis zum Ende der Sekundarstufe I in Klasse 10 aufgelöst hätte. Dass dies nun so kommt, ist ein Erfolg der Gesamtschulbewegung, der Eltern, SchülerInnen und Lehrkräfte, die sich in den letzten Jahren für dieses Ziel eingesetzt haben - nicht zuletzt auch ein Erfolg der Volksinitiative für gute Schulen, die hunderttausende von Unterschriften gesammelt hatte. Also ein Grund zur Freude.
Die GEW äußert zugleich die Erwartung, dass die Landesregierung an den neuen Gesamtschulen den gebundenen Ganztag einführt und die Verschlechterung der Personalausstattung zurücknimmt, die die CDU/FDP-Regierung an den Gesamtschulen vorgenommen hatte. Für das neue Schuljahr sind erste deutliche Schritte in diese Richtung notwendig.


Bessere Chancen für die IGS im ländlichen Raum
In den Landtag werden im April ebenfalls Änderungen des Schulgesetzes und der untergesetzlichen Regelungen eingebracht werden, die den Schulträgern bessere Möglichkeiten bieten, IGSen zu errichten. Es sollen wieder Gesamtschulen mit vier Parallelklassen zugelassen werden. Detailliertere Informationen über die Ausgestaltung der jetzt in den Landtag kommenden neuen Regelungen liegen uns noch nicht vor. Die grundsätzliche Rechtsstellung der Gesamtschulen soll zu diesem Zeitpunkt noch nicht festgelegt werden. Fest steht jedoch, dass die Schulträger die von ihnen geforderte Möglichkeit erhalten, ihr Schulangebot durch Errichtung einer vierzügigen Gesamtschule zu verbessern. Die Eltern, die eine Alternative zum gegliederten Schulwesen suchen, erhalten für ihre Kinder eine bessere Chance auf einen Gesamtschulplatz.
Aus Sicht der GEW kommt es jetzt darauf an, dass die Schulträger bei der Schulentwicklungsplanung unterstützt werden. Das ist eine wichtige Aufgabe für die GEW-Kreisverbände. An dieser Aufgabe wird auch deutlich, wie wichtig es ist, dass Gesamtschuldezernate eingerichtet werden, die Zeit und Professionalität haben, diese Arbeit mit den Kommunen zu bewältigen. Die GEW geht davon aus, dass es eine ruhige, aber beständige Weiterentwicklung des Gesamtschulangebots geben wird. Gesamtschulfreie weiße Flecken auf der Niedersachsenkarte wird es mit Sicherheit bald nicht mehr geben.