Eigenverantwortliche Schule

Fachleute kritisieren unzureichende Konzepte und mangelhafte Personalausstattung

Inklusion muss gelingen

„Leider ist nicht erkennbar, ob die Landesregierung die Erfahrungen und den Rat der Fachleute aufnimmt, die seit vielen Jahren erfolgreich bei der Integration von Kindern mit Beeinträchtigungen und Behinderungen tätig sind“, erklärt Gundi Müller, Vorsitzende der Fachgruppe Sonderpädagogische Berufe der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft bei einer Pressekonferenz am 2. Juli 2012 in Hannover. Es werde Zeit, dass die GEW in einen Dialog einbezogen werde und dass eine auskömmliche Personalausstattung finanziert werde, die zu den Erfolg versprechenden Konzepten passe. Bisher habe der Kultusminister Dr. Althusmann nicht auf die Vorschläge der GEW-Fachleute reagiert.

Hubert Kallien, Leiter des Förderzentrums Bad Bevensen, das in diesem Jahr für die erfolgreiche Inklusion mit dem renommierten Jakob-Muth-Preis ausgezeichnet wurde, kritisiert, dass der Kultusminister die Anforderungen der Inklusion bei der zum 1.8.2012 in Kraft tretenden Arbeitszeitvorordnung nicht berücksichtigt hat. Die Hauptaufgabe der Leiterinnen und Leiter der Förderzentren sei die Koordination des Einsatzes der Förderlehrkräfte in den Schulen und die Kooperation mit den allgemeinen Schulen, sowie mit den kommunalen Instanzen. Bemessungsgrundlage sei aber auch in der Verordnung weiterhin die Anzahl der Lehrkräfte in der eigenen Förderschule. Die GEW sei bei den Gesprächen mit dem Minister immer wieder hingehalten und auf die untergesetzlichen Regelungen zum Inklusionsgesetz verwiesen worden. Kallien erläutert, dass an seiner Förderschule gar keine Grundschulklassen mehr bestehen und nach der erfolgreichen Integration in der Grundschule immer mehr Schülerinnen und Schüler auch in der Sekundarstufe I die allgemeinen Schulen besuchen. Je besser die Inklusion funktioniere, desto stärker sinke paradoxerweise seine Leitungszeit. „Die Förderschulleitungen erwarten, dass der Minister umgehend die Arbeitszeitordnung den Erfordernissen der Inklusion anpasse, für die Förderschulen und auch für die Grundschulen.“

Frank Post, Leiter der Grundschule Fuhsestraße in Hannover Stöcken, die grundsätzlich alle Kinder mit besonderem Förderbedarf aus dem Stadtteil aufnimmt, wertet die Erfahrungen bei der Integration von Kindern mit den Förderschwerpunkten Lernen, Sprache und emotional-soziale Entwicklung aus: „Wir wissen, dass Inklusion funktioniert und allen Kinder gut tut, wir wissen aber auch, unter welchen Bedingungen sie funktioniert“, so Post. Notwendig sei, dass jede Grundschule eine sonderpädagogische Grundversorgung bekommt, zu der neben Förderschullehrkräften sozialpädagogische Fachkräfte gehören. Ziel müsse sein, dass diese einer, maximal zwei Grundschulen fest zugeordnet sind.

Die Schulleiter Post und Kallien erläutern am Beispiel ihrer Schulen, dass die Grundversorgung an die sozio-kulturellen Bedingungen des jeweiligen Einzugsgebiets angepasst werden müssen. In manchen Regionen komme nicht in jedem Jahrgang ein Kind mit besonderem Förderbedarf in die Grundschule. In anderen Regionen dagegen fänden sie sich regelmäßig in jeder Klasse. Die Grundversorgung müsse für die Förderschwerpunkte Lernen, Sprache und emotional-soziale Entwicklung auskömmlich gestaltet sein. In sozialen Brennpunkten müssten kleinere Lerngruppen und mehr Doppelbesetzung und deshalb mehr Förderschulehrkräfte, allgemeine Lehrkräfte und sozialpädagogische Fachkräfte zugewiesen werden als in anderen Einzugsgebieten.