Hochschule

Studium auf Lehramt: Beschränkungen beim Zugang zum Master möglicherweise rechtswidrig

Das Verwaltungsgericht Osnabrück sieht eine notenabhängige Zugangsbeschränkung zu einem Lehramts-Master als verfassungswidrig an. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. 

Am 10. Dezember 2013 hat das Verwaltungsgericht Osnabrück entschieden, dass die Bachelornote unter bestimmten Voraussetzungen keine Zugangshürde für ein Masterstudium sein darf. Die Klägerin mit einer Bachelornote von 3,3 wollte an der Universität Osnabrück ein Masterstudium für das Lehramt an Gymnasien aufnehmen. Mit Verweis auf ihre Bachelornote lehnte die Hochschule ab. Die Studentin klagte gegen diese Ablehnung.

Das Verwaltungsgericht gab der Klägerin recht, weil (1) der Bachelor-Abschluss für Studierende auf Lehramt nicht berufsqualifizierend sei. Um als Lehrerin bzw. Lehrer tätig sein zu können, braucht man zwingend einen Abschluss auf Master-Niveau. (2) Wegen dieser zwingenden Voraussetzung darf die Note des Bachelorabschlusses keine Zugangsvoraussetzung zum Masterstudium sein, weil dies eine unzulässige Einschränkung des Rechts auf freie Berufswahl darstellt, das im Grundgesetz (Art. 12) verankert ist. (3) Im konkreten Fall hat die Klägerin glaubhaft versichert, dass ihr Berufsziel „Lehrerin“ sei, weil sie dies durch eine entsprechende Kursbelegung im polyvalenten Bachelor deutlich gemacht habe. Aufgrund des individuellen Rechts der freien Berufswahl war dieser subjektive Wunsch der Klägerin entscheidend für das Gericht; das Argument, dass man mit einem Bachelorabschluss andere Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt habe, zählte nicht.

 

Dies ist eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Osnabrück. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der zu klärenden Frage hat das Gericht die Möglichkeit der Berufung zugelassen. Das Urteil ist daher noch nicht rechtskräftig und nicht automatisch auf alle Bachelor-AbsolventInnen und Master-of-Education-BewerberInnen übertragbar. Es erlaubt aber die begründete Hoffnung, dass sich die Hochschulen der Haltung des Verwaltungsgerichts Osnabrück anschließen und die weiteren Gerichtsinstanzen – sollte es zu einem Berufungsverfahren kommen – das Urteil bestätigen.

Das Urteil nahm nur Stellung zu der Frage der Lehramtsstudiengänge – über andere Studiengänge traf es keine Aussagen.

Sollten GEW-Mitglieder beim Übergang vom Bachelor zum Master von einem ähnlichen Problem betroffen sein, können sie sich gerne an die Landesrechtsstelle wenden: rs@gew-nds.de

 

Volltext des Urteils (Link)