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Pressemitteilungen GEW


21. Januar 2009
Zwei-Säulen-Schulsystem geht in die falsche Richtung

GEW: Eltern und Kommunen setzen auf IGS mit direktem Weg zum Abitur

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Niedersachsen, Eberhard Brandt, kritisiert die Ankündigung aus der Landesregierung und ihren Landtagsfraktionen, die Krise der Hauptschule durch die Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen lösen zu wollen. Brandt weist zugleich das Kompromissangebot des SPD-Landesvorsitzenden Duin an die Landesregierung scharf zurück, der sich laut Pressemeldungen für ein Zwei-Säulenmodell ausgesprochen hatte, bei dem Gesamtschulen abgeschafft und mit Haupt- und Realschulen zusammengelegt werden sollen.

Gerade in den letzten Wochen habe sich gezeigt, dass Eltern bei Befragungen von Schulträgern eine IGS als Alternative zu einer Haupt- und Realschule bevorzugen. Das entscheidende Argument sei für die Eltern, die in der Vergangenheit auf die Realschule gesetzt hätten: Heute ist es fast unmöglich, von der Realschule auf das Gymnasium zu kommen. Das war früher anders. Daher suchen immer mehr Eltern eine Schule, die vor Ort erreichbar ist, die alle Bildungsgänge enthält und dadurch den direkten Weg zum Abitur bietet. Durch den Rückgang der Schülerzahlen – in einigen Landkreisen um 40 Prozent – können viele Gemeinden eine Schule nur dann aufrechterhalten, wenn möglichst viele Kinder von der Grundschule in die örtliche Sekundarstufe I gehen und nicht den Weg zum Kreisgymnasium wählen. Der GEW-Chef ist beeindruckt von den Daten und den Überlegungen zur Schulentwicklung, die ihm Schulträger vorgelegt haben.

Schon in dem letzten halben Jahr, in dem das Gesamtschulgründungsverbot aufgehoben ist, haben Schulträger in der Regel mit Partei übergreifenden Mehrheiten 16 Anträge zur Errichtung neuer Gesamtschulen eingereicht. 10 sind bereits genehmigt „Das ist mehr als wir für möglich hielten“, so der GEW-Landesvorsitzende. Mindestens 30 weitere Schulträger haben Eltern erfolgreich befragt oder bereiten gerade die Befragung vor. So hat die Stadt Emden gerade bekannt gegeben, dass mehr als 60% der Eltern eine IGS wünschen. Der Trend halte an. Er sei in den Landkreisen so massiv, dass auch Bürgermeister mit CDU-Mehrheiten bei der GEW ihr Interesse an Gesamtschulen anmelden und um Unterstützung bitten. „Das ist eine neue Erfahrung und Aufgabe für uns“, so Brandt. Er sei sicher, dass Bürgermeister und Landräte innerhalb der CDU im wohlverstandenen Interesse ihrer Bürger und Wähler für eine realistische Wende in der Schulpolitik der Landesregierung sorgen werden. Die Schulträger ließen sich heutzutage das Recht auf eigene Gestaltung des Schulangebots einschließlich des Rechts auf Gesamtschulen nicht mehr verwehren. Weil ideologische Gründe nicht mehr zählten, wollen Schulträger auch eine IGS mit vier Parallelklassen, im Ausnahmefall auch mit drei Zügen einrichten dürfen.

Die bisher vorliegenden Absichtserklärungen des Ministerpräsidenten, der Kultusministerin, von CDU- und FDP-Landtagsfraktion, die Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen auf dem Wege einer Erlassänderung zu gestatten, bezeichnet Brandt als Schritt in die falsche Richtung. Bezeichnend sei, dass die Koalition vor allem wegen der Personalkosten eine billige Lösung suche und weiter an ihren ideologischen Dogmen festhalte.

Als völlig unverständlich bezeichnet Brandt die Vorstellung des SPD-Landesvorsitzenden Duin, der sich für ein Zwei-Säulen-Schulsystem in Niedersachsen ausgesprochen hatte. „Duin steht im Widerspruch zu den Aussagen der SPD- Fraktion im Landtag, die sich eindeutig für neue Gesamtschulen ausspricht und deren Gründung erleichtern will.“ Brandt hofft, dass die Landtagsfraktion hier Klartext reden wird.

Zwischenbilanz des Vorsitzenden Eberhard Brandt ist hier als PDF verfügbar
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