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Gesamtschule in Niedersachsen


02. März 2008
RBG legt Broschüre „Bausteine der Schulentwicklung“ vor


Schule als lernende Organisation

Die Robert-Bosch-Gesamtschule (RBG) Hildesheim hat den Deutschen Schulpreises 2007 gewonnen. Urkunde und Laudatio sind in der erweiterten Neuauflage der Broschüre „Bausteine der Schulentwicklung. Qualitätsbereiche und Handlungsfelder“ enthalten. Die im Anhang abgebildeten Urkunden des Sonderpreises des Wettbewerbs „Jugend forscht – Schüler experimentieren“ 2006, des Wettbewerbs „Zeigt her unsere Schule“ 2006 und der UN-Weltdekade 2006/2007) „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ dokumentieren, dass sich die Schule schon seit langem selbstbewusst und erfolgreich Leistungsvergleichen stellt. Der Hauptpreis des Deutschen Schulpreises ragt dabei heraus. Nicht nur, weil mit ihm das Prädikat „beste deutsche Schule“ assoziiert wird, sondern weil seine Verleihung hohe Qualität in allen relevanten schulischen Bereichen voraussetzt.

Die 68-seitige Broschüre, der die Grußworte des Hildesheimer Oberbürgermeisters Kurt Machens und des Niedersächsischen Kultusministers Bernd Busemann vorangestellt sind, belegt, dass die elfköpfige hochkarätig besetzte Fachjury unter Leitung von Prof. Dr. Peter Fauser (Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Jena) die RBG zu Recht ausgezeichnet hat. Sie gewährt Einblick in das Schulprogramm, das sich in die schulintern erarbeiteten Qualitätsbereiche „Schule als lernende Organisation“, „Leistung und Kompetenzen“, „Qualität der Lehr- und Lernmethoden“, „Umgang mit Vielfalt“, „Verantwortung“ und „Schulklima, Schulleben und außerschulische Partner“ gliedert. Die Affinität zu den sechs Qualitätsbereichen Orientierungsrahmen „Schulqualität in Niedersachsen“1 ist offenkundig. Zugleich ist ersichtlich, dass die RBG damit ein umfassendes und ganzheitliches Konzept ihrer ganz eigenen Schulentwicklung vorlegt. Das drückt sie mit der auf ihre Bedürfnisse angepassten Begrifflichkeit aus und mit ihrer besonderen Akzentsetzung, die stärker als der Orientierungsrahmen verdeutlicht, dass es nicht um die Organisation, sondern um die in ihr tätigen Menschen geht. Man spürt: Diese Schule macht nichts, weil sie es muss, sondern weil sie es als Ganzes für sinnvoll hält und will.

Umfassendes und ganzheitliches Konzept

Das gilt auch für die aus den Qualitätsbereichen abgeleiteten Handlungsfelder. Die Schule verzettelt sich nicht. Sie konzentriert sich auf das von ihr als wesentlich erkannte. Sie geht mit Bedacht vor. In der ersten, Anfang 2006 erschienenen Auflage war noch von „Modulen“, von Bausteinen, die Rede. Auf die „Bausteine“ verständigten sich Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler und Eltern in den Jahren 2003 bis 2006 nach gründlicher Erörterung im Konsens. Grundlage war ein „Masterplan für die Entwicklung der RBG“, der 2002 bei einer Klausurtagung der Kollegialen Schulleitung mit dem „mittleren Management“, den Jahrgangs- und Fachbereichsleitungen, erarbeitet und von der Gesamtkonferenz (mit einer Enthaltung) beschlossen wurde. Diesen Prozess – von der Blaupause zu den Bausteinen – zeichnet auch die Neuauflage nach, weist aber zusätzlich „Resultate“ nach. „Masterplan“ und „Bausteine“ sind Elemente der ersten Phase, in der es um Sondierung, Klärung und die Statik des Aufbaus ging. In der zweiten Phase, die sich in „Qualitätsbereichen“ und „Handlungsfeldern“ abspielt, geht es um Koordination, Interdependenz und die Dynamik von Lern- und Arbeitsprozessen und pädagogischer Steuerung.

Die Broschüre beschreibt die Handlungsfelder „Das Leitbild als Ausgangspunkt“, „Systematische Verbesserung der Unterrichtsqualität“, „Methodenlernen“, „Moderner Lehrplan“, „Pädagogischer Konsens“ und „Innovationen in der Oberstufe“. Den Worten fügt sie Bilder hinzu, die anschaulich belegen, dass die Leitsätze mit Leben gefüllt werden. Der Programmsatz „Lernen mit allen Sinnen“ findet auf die eigene Arbeit angewandt im Bild vom „begehbaren Lehrplan“ seinen Ausdruck. Dass sich die Schule als Lebensraum versteht, bestätigt der Blick in den ansprechend farbig gestalteten und mit Pflanzen und Tieren ausgestatteten Eingangsbereich. Wie die RBG den selbständigen Wissenserwerb mit sozialer Kompetenz verbindet, zeigt exemplarisch das Foto von der altersgemischten Kleingruppenarbeit.

Denken in Zusammenhängen

Das Denken in Zusammenhängen, das „systemische“ Denken, und das reflektierte, „systematische“ Handeln sind zwei Bedingungen für den Erfolg der RBG. Hinzu kommt eine Kultur des Zutrauens, die es jedem Mitglied der Schulgemeinschaft ermöglicht, seine vorhandenen Motivations- und Entwicklungspotenziale zu entfalten und im Schulzusammenhang wirksam werden zu lassen. Charakteristisch ist, dass die Schule sorgfältig ihre Kommunikationsformen gestaltet und beispielsweise ihre Gesamtkonferenz (mit über 100 Lehrkräften) im Stuhlkreis oder die Reflexion des Entwicklungsprozesses mit der Methode des „World-Café“ durchführt. Ohne darauf Bezug zu nehmen, setzt die RBG konsequent das Konzept der Selbstwirksamkeit des kanadischen Psychologen Albert Bandura um.

Eine weitere Erfolgsbedingung ist die strukturierte Kooperation, die alle Schulbeteiligten einbezieht, sich am Team-Modell orientiert und auf der Grundlage von Vereinbarungen durchgeführt und überprüft wird. Über 150 Eltern kommen regelmäßige Woche für Woche in die Schule, um in den Gruppenstunden mitzuarbeiten. Die Klassenleitung und die Zusammenarbeit der Lehrkräfte in der Klasse, im Jahrgang und in der Stufe findet in Teams statt. Dazu gehören auch der gegenseitige Unterrichtsbesuch und die gemeinsame Supervision. Damit verbunden ist eine Schulleitung, die Führungsaufgaben auf verschiedene Verantwortungsebenen verteilt und mit den Mitteln des Vertrauensvorschusses und der Rechenschaftsverpflichtung agiert. Die ganze Schule profitiert von einem Feed-Back-System, das von regelmäßigen Rückmeldungen zum Unterricht bis zur Längsschnittuntersuchung zum Schulerfolg reicht und von der Schule selbst oder in Zusammenarbeit mit der Universität Hildesheim durchgeführt wird.

Profitiert wird vom Feed-Back-System

Schließlich bezeugt die Broschüre eine Haltung des Zulassens und positiven Erwartens: Der „Masterplan“ gängelt nicht die Initiative Einzelner, sondern bündelt und fördert sie. So entstanden imageprägende Projekte wie das Baltic-Sea-Projekt (Erforschung des Lebensraumes des kleinen Tümmlers in der dänischen Ostsee) oder das Projekt Beth Shalom (Erhaltung des jüdischen Totenhauses auf dem benachbarten Friedhof), die mit zur Anerkennung als UNESCO-Schule und EXPO-Schule beitrugen oder die vielen Vorhaben, die im Unterricht oder im Freizeitbereich umgesetzt wurden.

Sucht man für all das einen theoretischen Rahmen, bietet sich Pete Senge’s Konzept der lernenden Organisation an. Die RBG fördert systematisch die Persönlichkeitsentwicklung ihrer Mitglieder („Personal Mastery“), macht die individuellen Grundannahmen zur pädagogischen Arbeit besprechbar und damit zu einem Entwicklungsbeitrag („Mental Models“), entwickelt und kommuniziert ihre Ziele so, dass die Mitglieder sie als gemeinsame Vision verstehen und verinnerlichen („Shared Vision“), pflegt das Lernen im Team („Team-Learning“) und bezieht die zahllosen schulischen Prozesse in einen lebendigen Zusammenhang ein, der wiederum auf die Einzelprozesse zurückwirkt („Systems Thinking“).2

Aus den anfänglichen Bausteine der Schulentwicklung sind Trittsteine im kontinuierlichen Verbesserungsprozess und Stufen des Siegertreppchens geworden. Wie das geschah ist nachlesbar in der Broschüre „Bausteine der Schulentwicklung. Qualitätsbereiche und Handlungsfelder“, die zum Preis von fünf Euro bei der RBG, Richthofenstr. 37, 31137 Hildesheim, oder per E-Mail an rbg@schulen-hildesheim.de erhältlich ist.

 

Robert-Bosch-Gesamtschule Hildesheim, Bausteine der Schulentwicklung. Qualitätsbereiche und Handlungsfelder, Selbstverlag, Hildesheim 2008, 68 Seiten, 5 Euro.






 

 

 






   
   
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