Allgemeinbildende Schulen

Häufig gestellte Fragen zur Einführung der Oberschule

Zum Schuljahr 2011/2012 sind 132 Oberschulen genehmigt worden, 19 davon mit einem gymnasialen Zweig. Allerdings haben nicht alle dieser Schulen genügend Anmeldungen für den Gymnasialzweig bekommen, sodass sie in diesem Schuljahr ohne das Angebot starten werden und ggf. im kommenden Schuljahr einen zweiten Versuch unternehmen werden, doch noch genügend Anmeldungen für den Gymnasialzweig zu bekommen.
Die erlasslichen Vorgaben für die neue Schulform sind inzwischen in Kraft getreten, die Curricularen Vorgaben für die Jahrgänge 5 und 6 der Oberschule liegen inzwischen für die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch, Biologie, Chemie, Physik, Erdkunde und Geschichte vor.

 

1. Was ist die Oberschule?

Die Oberschule ist Regelschule und kann Haupt- und Realschulen ergänzen, aber auch ersetzen. Sie kann auf Antrag des Schulträgers anstelle von Hauptschulen, Realschulen, zusammengefassten Haupt- und Realschulen und Kooperativen Gesamtschulen geführt werden. Sie kann somit neben einem Gymnasium als alleinige Schulform geführt werden, d. h., die Oberschule kann nicht das Gymnasium ersetzen, wohl aber alle anderen Schulformen. Schulträger sind somit berechtigt, aber nicht verpflichtet, Oberschulen zu errichten, wenn die Entwicklung der Schülerzahlen die Errichtung rechtfertigt. Schülerinnen und Schüler, die ihren Wohnsitz im Schulbezirk einer Oberschule haben, können statt dieser auch eine Hauptschule, eine Realschule oder ein Gymnasium besuchen. Dort besteht eine Aufnahmeverpflichtung.

Die Oberschule soll in der SEK I in zwei Organisationsformen geführt werden können als

Oberschule ohne gymnasialen Schulzweig und
Oberschule mit gymnasialem Schulzweig.
Eine Oberschule darf keine gymnasiale Oberstufe führen. Eine Ausnahme ist nur für den Fall vorgesehen, wenn eine IGS mit Oberstufe geschlossen wird, um in eine Oberschule umgewandelt zu werden.

In § 11 NSchG ist der Bildungsauftrag der Oberschule formuliert worden. Der Text enthält Teile der Bildungsaufträge der anderen Schulformen. Deutlich wird jedoch, dass die Oberschule eher berufsorientierend arbeiten soll und die Vermittlung einer breiten Allgemeinbildung dem Gymnasium überlassen bleibt.
Auch im Grundsatzerlass „Die Arbeit in der Oberschule“ findet sich die Gliederung der anderen Grundsatzerlasse wieder, betont wird jedoch in Nr. 5 die Berufsorientierung und Berufsbildung. Dieser Passus fehlt in den Grundsatzerlassen der anderen Schulformen.

 

2a. Wie erfolgt die Einrichtung der neuen Schulform Oberschule?

Die Beantragung erfolgt durch den Schulträger, der allerdings nicht verpflichtet ist, diese Schulform einzuführen, selbst wenn ein entsprechendes Elterninteresse vorliegt. In der Regel sind die Landkreise und die kreisfreien Städte Schulträger der Schulform Oberschule. Auf Antrag kann die Schulträgerschaft für allgemeinbildende Schulen aber auch kreisangehörige Gemeinden und Samtgemeinden übertragen werden.

Die Oberschule kann neu errichtet werden oder auch durch Umwandlung bestehender Schulen entstehen. Für einmal errichtete Oberschulen kann – anders als bei Gesamtschulen – die Aufnahme der Schülerinnen und Schüler nicht beschränkt werden, d. h., die Schule muss ggf. bis zur Höchstzügigkeit erweitert werden. Die Oberschule kann Hauptschule, Realschule und Gesamtschule ersetzen, nicht jedoch das Gymnasium, das weiterhin unter zumutbaren Bedingungen erreichbar sein muss.

Die Genehmigung ist allerdings an Voraussetzungen gebunden. Nach der Verordnung für die Schulorganisation (SchOrgVO) liegt die Planungszahl für neue Oberschulen bei der Mindestzügigkeit von zwei Zügen, d. h. bei 48 Schülerinnen und Schülern für eine Oberschule ohne Gymnasialzweig. Der Gymnasialzweig einer Oberschule muss mindestens 27 Schülerinnen und Schüler haben. Die Schulen können zwei- bis sechszügig, mit Gymnasialzweig auch neunzügig, geführt werden. Das Schulanwahlverhalten für den Gymnasialzweig muss ggf. mittels einer Trendabfrage bei den Erziehungsberechtigten erhoben werden, um nachzuweisen, dass dauerhaft mindestens 27 Schülerinnen und Schüler den Besuch des gymnasialen Schulzweigs einer örtlichen Oberschule dem Besuch des zuständigen Gymnasiums vorziehen würden.

Mit der Absenkung der Schülerzahl pro Lerngruppe von den ursprünglich 52 auf 48 ist der Kultusminister auf die massive Kritik der Schulträger eingegangen, die befürchten, viele kleine HRS-Standorte ansonsten gar nicht in Oberschulen umwandeln zu können. Aber auch mit den gesenkten Zahlen und der Maßgabe, eine HRS weiterführen zu können, wenn je Schulform eine Klasse vorhanden ist, werden viele der kleinen Standorte nicht überlebensfähig sein. Deshalb sieht die Verordung eine weitere Anpassung vor. Die Mindestschülerzahlen dürfen bis zum 31. Juli 2015 unterschritten werden, wenn bei Errichtung der Oberschule gleichzeitig eine organisatorisch zusammengefasste Haupt- und Realschule aufgehoben wird. Unklar ist, ob auch die Mindestzügigkeit von zwei Zügen unterschritten werden darf. Wie auch immer, dieses Zugeständnis löst nicht das Problem, sondern verschiebt es nur, denn grundsätzlich müssen die Mindestschülerzahlen über einen Zeitraum von mindestens 10 Jahren nachgewiesen werden. Den Schulen eröffnet es die Möglichkeit, ein neues Türschild „Oberschule“ anzubringen, und die Landesregierung erhofft sich, damit der Zahl der Umwandlungen in eine Größenordnung zu bringen, die die neue Schulform als Erfolgsmodell verkaufen lässt. Für Hauptschulen und Realschulen, die sich erst noch zusammenschließen müssten, soll die Regelung mit dem Verzicht auf eine Mindestschülerzahl nicht gelten. Das hätte zur Folge, dass an einem Standort, an dem es bisher nur selbstständige Haupt- und Realschulen gibt, eine Umwandlung in eine Oberschule nur möglich ist, wenn die Mindestschülerzahl von 48 bzw. 75 mit gymnasialem Zweig über 10 Jahre gewährleistet ist oder aber die beiden selbstständigen Schulen sich schnell noch bis zum Ende des laufenden Schuljahres zu einer zusammengefassten Haupt- und Realschule zusammenschließen. Ist das nicht der Fall, müssten diese Schulen selbstständig bleiben und auf die zusätzlichen Unterstützungsleistungen für die Oberschule verzichten. >Dem Gesetz nach dürften sie sich seit dem 01.08.2011 sowieso nicht mehr zu einer Haupt- und Realschule zusammenschließen.

Die Hoffnung auf die Ergänzung ihres schulischen Angebotes durch einen Gymnasialzweig dürfte sich deshalb insbesondere für Schulträger im ländlichen Raum als trügerisch erweisen, da die Anzahl der gymnasial empfohlenen Schülerinnen und Schüler häufig nicht ausreichen wird; insbesondere, wenn die Eltern und Erziehungsberechtigten die Wahlmöglichkeit zwischen der Oberschule mit gymnasialem Angebot und dem Gymnasium haben und die Oberschule keine eigene Oberstufe führen darf. Die Anmeldezahlen für die ersten 19 Oberschulen, die seit dem 01.08.2011 mit einem Gymnasialzweig geführt werden dürfen, belegen, dass das Interesse der Eltern deutlich geringer ist, als es bei den Befragungen den Anschein hatte.

Hinsichtlich einer möglichen Senkung der Hürde der über 10 Jahre gesicherten Fünfzügigkeit für Integrierte Gesamtschulen bleibt die Landesregierung trotz der Forderungen von Elternvertretungen und Schulträgern weiterhin stur. Allerdings ist die erforderliche Schülerzahl in der Verordnung für die Schulorganisation auf 24 pro Klasse gesenkt worden, um die Hürde der Genehmigungsfähigkeit von 130 auf 120 zu senken. Eine überzeugende Begründung, warum bei einer dreizügigen Oberschule eine erfolgreiche pädagogische Arbeit erwartet werden kann, während eine IGS aber mindestens fünfzügig geführt werden muss, steht vonseiten der Regierungskoalitionen weiterhin aus.

 

2b. Welche Unterstützung erhalten die Beschäftigten der Schulen, die im kommenden Schuljahr Oberschule werden sollen?

Schulen, deren Schulträger den Antrag auf Umwandlung in eine Oberschule zum Schuljahr 2011/2012 gestellt haben, konnten zur Vorbereitung des Dienstbetriebes eine Planungsgruppe einrichten. Mit Erlass vom 14.03.2011 ist geregelt worden, dass diese Planungsgruppen für den Zeitraum vom 01.08.2011 bis zum 31.01.2012 insgesamt sechs (OS ohne Gym) bis acht Anrechnungsstunden für Oberschulen mit Gymnasialzweig erhalten. Die Lehrkräfte sind durch Anschreiben aufmerksam gemacht worden und konnten sich auf dem Dienstweg bewerben. Die Personalauswahl sowie die Entscheidung über die Leitung der Planungsgruppe trifft die Landesschulbehörde. Es sollten sowohl erfahrene Funktionsstelleninhaberinnen und –inhaber als auch Lehrkräfte vertreten sein, die das Abdecken eines breiten Fächerspektrums gewährleisten. Daneben soll in der Planungsgruppe auch der Schulträger vertreten sein und - in beratender Funktion – jeweils ein Eltern- und Schülervertreter.

 

3. Wie kann der Unterricht in der Oberschule grundsätzlich organisiert werden?

Je nach Organisationsform und Schuljahrgang kann der Unterricht

überwiegend schulzweigbezogen (mehr als 50 %),
kursdifferenziert in Form einer äußeren Fachleistungsdifferenzierung in den Kernfächern Deutsch, erste Fremdsprache Mathematik und, wenn die Schule es entscheidet, in den Naturwissenschaften auf zwei bzw. mit gymnasialem Angebot auf drei Niveaustufen erteilt werden oder
jahrgangsbezogen

erfolgen.

Über die Gestaltung der Organisations- und Unterrichtsform entscheidet der Schulvorstand. Diese Entscheidung gilt jeweils mindestens für zwei aufeinanderfolgende Durchgänge im Sekundarbereich I.

Der Klassenbildungserlass sieht allerdings vor, dass eine Oberschule erst ab dem 9. Schuljahrgang (mit Gymnasialzweig ab dem 7. Schuljahrgang) die Stundenzuweisung für ein schulzweigbezogenes Angebot bekommt.

Entscheidet der Schulvorstand über die Einrichtung von Fachleistungskursen im 5. Schuljahrgang, erfolgt die Zuweisung der Schülerinnen und Schüler nach Elternwunsch. Spätere Kurszuweisungen und –umstufungen sind pädagogische Maßnahmen, die die Klassenkonferenz trifft. Richtet eine Oberschule also erst im 6. Jahrgang Kurse ein, ist dem Elternwunsch nicht mehr Rechnung zu tragen und die Kurszuweisung erfolgt allein durch die Konferenz.

Für die Schulen, die zum 01.08.2011 in eine Oberschule umgewandelt wurden, wird die Entscheidung über die Gestaltung des Unterrichts im 5. Schuljahrgang von der Planungsgruppe getroffen. Sie entscheidet außerdem über Lehr-, Lern- und Arbeitsmaterialien des 5. Jahrsgangs, über Informationen für Eltern und Lehrkräfte sowie in Abstimmung mit dem Schulträger über die Ausstattung, z. B. für den Ganztagsunterricht.

 

4. Welche Möglichkeiten der Unterrichtsorganisation soll eine Oberschule ohne gymnasialen Schulzweig erhalten?

In den Schuljahrgängen 5/6 und 7/8 soll überwiegend schulzweigbezogen, kursdifferenziert oder jahrgangsbezogen unterrichtet werden. In den Jahrgängen 9 und 10 soll der Unterricht überwiegend schulzweigbezogen und kursdifferenziert erfolgen. Ausnahmen für mehr jahrgangsbezogenen Unterricht soll es für zweizügige Oberschulen geben.

Bei jahrgangsbezogenem Unterricht kann in den Schuljahrgängen 5 und 6 oder ab Schuljahrgang 6 der Unterricht in den Fächern Englisch und Mathematik auf Antrag der Schule in einem Fach oder in beiden Fächern auf zwei Anforderungsebenen (G-Kurs für Hauptschulniveau und E-Kurs für Realschulniveau) erteilt werden.

In den Schuljahrgängen 7 und 8 ist der Unterricht in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik auf zwei Anforderungsebenen zu erteilen. Für das Fach Deutsch kann die äußere Differenzierung ausnahmsweise auch erst im Jahrgang 8 beginnen. Ab Klasse 9 kann zusätzlich in Physik oder Chemie Unterricht auf zwei Anforderungsebenen erteilt werden. Im Hauptschulzweig sind in den Jahrgängen 9 und 10 Englisch und Mathematik auf zwei Anforderungsebenen zu unterrichten.

Die zweite Fremdsprache – im Regelfall Französisch - ist als Wahlpflichtfremdsprache ab dem 6. Schuljahr anzubieten. Schülerinnen und Schüler, die im 9. und 10. Schuljahrgang den fremdsprachlichen Schwerpunkt wählen möchten, haben an diesem Wahlpflichtunterricht teilzunehmen.

Im 9. und 10. Schuljahrgang sollen eher berufspraktische Elemente sowie die Zusammenarbeit mit der BBS im Vordergrund stehen, wie es jetzt auch schon die Grundsatzerlasse der Hauptschule und Realschule vorsehen.

In den Schuljahrgängen 8 bis 10 können zur Durchführung von berufsorientierenden und berufsbildenden Maßnahmen klassenübergreifende Lerngruppen gebildet werden.

Die Stundentafel sieht für Hauptschülerinnen und Hauptschüler bzw. Schülerinnen und Schüler, die in den Fächern Deutsch und Mathematik auf der grundlegenden Anforderungsebene unterrichtet werden, statt der bisherigen fünf Stunden nur noch 4 Stunden in jedem Fach vor. Die 5. Unterrichtsstunde in Deutsch und Mathematik erhalten sie dadurch, dass sie statt zwei zweistündigen Wahlpflichtkursen nur einen wählen dürfen. Diese Regelung gilt auch für Schülerinnen und Schüler, die im jahrgangsbezogenen Unterricht in diesen Fächern über binnendifferenzierende Maßnahmen hinaus zusätzlicher Förderung bedürfen.
Ab dem 9. Jahrgang wählen die Schülerinnen und Schüler des Realschulzweiges ein vierstündiges Profil. Die Schülerinnen und Schüler des Hauptschulzweiges wählen einen zweistündigen Wahlpflichtkurs und erhalten jeweils die 5. Unterrichtsstunde in Deutsch und Mathematik.

Nach Entscheidung der Schule kann der Unterricht in den Schuljahrgängen 5 bis 10 aber auch überwiegend schulzweigbezogen erteilt werden. Müssten dafür zusätzliche Klassen gebildet werden, werden diese bei der Stundenzuweisung frühestens ab Jahrgang 7 für die Oberschule mit Gymnasialzweig und ab dem 9. Jahrgang für die Oberschule ohne Gymnasialzweig berücksichtigt.

 

5. Welche Möglichkeiten der Unterrichtsorganisation soll eine Oberschule mit gymnasialem Schulzweig erhalten?

In den Schuljahrgängen 5 und 6 sind die Stundentafeln aufeinander abgestimmt, ab dem 7. Schuljahrgang weicht die Stundentafel für den gymnasialen Zweig aufgrund der höheren Wochenstundenzahl (192 statt 179) ab. Im 7. Jahrgang erhalten die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten 32 Stunden, im 8. Jahrgang 33, im 9. und 10. Jahrgang 34 Stunden Unterricht.
Im 5. Schuljahrgang kann der Unterricht jahrgangsbezogen oder auf Antrag der Schule in Mathematik und Englisch auf zwei oder drei Anforderungsebenen (Z-Kurs für Gymnasialniveau) erteilt werden.

Im 6. Schuljahr wird der Unterricht in Deutsch, Englisch und Mathematik auf zwei oder drei Anforderungsebenen erteilt.

Ab dem 7. Schuljahr soll im gymnasialen Zweig jedoch überwiegend schulzweigbezogener Unterricht erteilt werden. In begründeten Fällen kann bei Vorlage eines pädagogischen Konzepts nach Entscheidung der Schule in den Schuljahrgängen 7 und 8 weiterhin mit der Fachleistungsdifferenzierung wie im 6. Jahrgang unterrichtet werden. Der Schulbehörde ist zu berichten.
Spätestens ab Klasse 9 hat der Unterricht durchgängig schulzweigbezogen im Klassenverband zu erfolgen. Der Gymnasialzweig einer Oberschule wird nicht in berufsorientierende und berufsbildenden Maßnahmen ab Klasse 8 eingebunden. Im 9. Schuljahrgang ist stattdessen ein mindestens zehntägiges Betriebspraktikum zu absolvieren.

Die Teilnahme am Unterricht in der zweiten Fremdsprache – im Regelfall Französisch - ab dem 6. Schuljahr ist für Gymnasialschülerinnen und –schüler verpflichtend.

Sollte die Oberschule über eine gymnasiale Oberstufe verfügen, weil sie aus einer Gesamtschule mit Oberstufe entstanden ist, richtet sich der Unterricht in den Jahrgängen 11 und 12 nach den Oberstufenregelungen und die Abiturprüfung nach den Abiturprüfungsvorgaben des Gymnasiums.

Fest steht, dass Schülerinnen und Schüler, die zunächst einen gymnasialen Schulzweig einer Oberschule besuchen und später die Oberstufe eines Gymnasiums, die 265 Gesamtjahreswochenstunden nachweisen müssen, die gemäß der KMK-Vereinbarung zum Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife vorgeschrieben sind.

Nach Entscheidung der Schule kann der Unterricht aber auch in den Schuljahrgängen 5 und 6 schon überwiegend schulzweigbezogen erteilt werden.Allerdings ist hierbei zu berücksichtigen, dass für zusätzlich gebildete Klassen kein Anspruch auf eine entsprechende Stundenzuweisung besteht.

 

6. Kann ein einzügiger Gymnasialzweig überhaupt erfolgreich arbeiten?

Da sind sich alle Experten einig: Ein einzügiger Gymnasialzweig wird weder den Erfordernissen der KMK gerecht werden noch ein pädagogisch sinnvolles und differenziertes Angebot unterbreiten können.

Darüber hinaus gilt: Bildungsnahe Eltern werden ihr Kind trotz Wohnortnähe nicht an einer Schule mit einem „schmalen“ Gymnasialzweig anmelden, wenn die Möglichkeit besteht, das gut ausgestattete Gymnasium mit breitem Angebot wählen zu können.

 

7. Was bedeutet es für den Unterricht, wenn Oberschulen jahrgangsbezogene Klassen einrichten?

Für die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch, Biologie, Chemie, Physik, Erdkunde und Geschichte sind zu Beginn des Schuljahres Curriculare Vorgaben für die Jahrgänge 5 und 6 vorgelegt worden. Dem schulzweigspezifischen Unterricht sowie dem Unterricht in Fächern mit äußerer Fachleistungsdifferenzierung liegen die Kerncurricula der jeweiligen Schulform zugrunde, d. h. die der Hauptschule, der Realschule und des Gymnasiums.

Die höheren Jahrgänge der Schule, die noch nicht nach den Vorgaben der Oberschule beschult werden, werden weiterhin nach den gültigen Kerncurricula der bisherigen Schulformen beschult. In den Curricularen Vorgaben für die Jahrgänge 5 und 6 der Oberschule sind die in den Kerncurricula der Hauptschule, Realschule und des Gymnasiums dargestellten Kompetenzanforderungen zusammengeführt worden. Wegen der unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und Leistungsfähigkeiten der Schülerinnen und Schüler wird die innere Differenzierung als Unterrichtsprinzip als unverzichtbar beschrieben und es werden exemplarisch niedrigere als auch weiterführende Anforderungen beschrieben, die über die Regelanforderungen hinausgehen.

 

8. Welche Abschlüsse bietet die Oberschule?

An der Oberschule können alle Abschlüsse der Sekundarstufe I erworben werden, d. h., die Abschlüsse vom Hauptschulabschluss bis zum Erweiterten Sekundarabschluss I und bei Oberschulen mit Oberstufe auch das Abitur. Einen neuen „Oberschul-Abschluss“ wird es nicht geben. Niedersachsen behält damit – entgegen der Ankündigung der Zweigliedrigkeit durch Bildungspolitiker der Regierungsfraktionen - unter Einbeziehung der Förderschulen sein viergliedriges Schulsystem bei.

Wie bisher auch werden Hauptschülerinnen und Hauptschüler ihren Abschluss nach der 9. Klasse machen und die 10. Klasse der Oberschule nur dann besuchen dürfen, wenn die Voraussetzungen gegeben sind.

Bei Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf gelten bei zieldifferenter Integration die Bestimmungen der entsprechenden Förderschule.

 

9. Bleibt der freie Elternwille erhalten?

Die Landesregierung hat angekündigt, den freien Elternwillen erhalten zu wollen. Allerdings sollen die Beratungsleistungen der Schulen der Sek I erhöht werden, um „Fehlentscheidungen“ frühzeitiger korrigieren zu können.
Bei einer Oberschule haben die Eltern das Entscheidungsrecht, ob ihr Kind die Oberschule besucht oder nicht und in welchen Schulzweig oder Kurs es im 5. Schuljahrgang zunächst aufgenommen werden soll. Im weiteren Verlauf haben sie allerdings keinen Einfluss mehr darauf, welchen Zweig ihr Kind weiter besucht, denn über Auf- und Abstufungen entscheiden die Lehrkräfte.
Anders als am Gymnasium oder der selbstständigen oder zusammengefassten Haupt- und Realschule erfolgt die Rückstufung von Schülerinnen und Schülern ohne die entsprechende Schullaufbahnempfehlung nicht erst am Ende des 6. Schuljahrgangs, sondern ggf. schon früher.
Wenn Oberschulen zunächst nur jahrgangsbezogenen Unterricht ohne Kurse anbieten, haben Eltern bei der später erfolgenden Kurszuweisung kein Entscheidungsrecht mehr, wie es für sie beim Übergang in den 5. Jahrgang bestanden hatte.

 

10. Wie erfolgt der Übergang von der Grundschule zur Oberschule?

Wie bisher auch werden die Grundschullehrkräfte Empfehlungen aussprechen und die Eltern und Erziehungsberechtigten entscheiden auf der Grundlage dieser Empfehlung und einer Beratung. Sofern die Oberschule nicht durchgängig jahrgangsbezogen strukturiert ist, besucht jede Schülerin und jeder Schüler den seinem Schulzweig entsprechenden Kurs. Kursumstufungen dürften allerdings schon früher möglich sein als das jetzige Abschulen von der höherwertigen Schulform auf eine niedrigere nach dem 6. Schuljahrgang.

 

11. Was wird aus den Gymnasien?

Die Gymnasien erhalten als einzige Schulform Bestandsschutz. Die Schulträger sind zum Vorhalten eines Gymnasiums verpflichtet, das von allen Schülerinnen und Schülern im Gebiet eines Landkreises oder einer kreisfreien Stadt unter zumutbaren Bedingungen erreichbar sein muss. Für die Gymnasien gelten keine Schulbezirksregelungen.
Damit wird gewährleistet, dass die Gymnasien vom Schülerrückgang weniger betroffen sein werden als die anderen Schulformen. Ihr Erhalt wird ggf. zulasten anderer Schulen sichergestellt.

 

12. Können bestehende Schulen bestehen bleiben?

Die Schulträger sind berechtigt, aber nicht verpflichtet, Oberschulen zu errichten oder bestehende Schulen umzuwandeln. Auf Wunsch des Schulträgers können Kooperative Gesamtschulen und selbständige Haupt- und Realschulen bestehen bleiben. Eine Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen wird aber nur noch als Oberschule möglich sein.
Schwierig werden könnte es für kleine Haupt- und Realschulen oder kombinierte Systeme, deren Schülerzahlen eine Genehmigung als Oberschule nicht zulassen. Sie müssten bis auf Weiteres selbstständig bzw. eine HRS bleiben, ohne die zusätzlichen Ressourcen der Oberschule in Anspruch nehmen zu können.

Mit der Einführung der Oberschule entfällt die Möglichkeit der Errichtung von Kooperativen Gesamtschulen; bis zum 31.07.2011 genehmigte Kooperative Gesamtschulen können allerdings weitergeführt werden.

Selbst der Gesetzgebungs- und Beratungsdienst hatte in seinen Anmerkungen zum Schulgesetzentwurf darauf hingewiesen, dass nachvollziehbare Gründe für die Abschaffung der KGS als Regelschule fehlten, insbesondere da beide Schulformen sowohl auf gesetzlicher als auch untergesetzlicher Ebene unterschiedlich behandelt werden.

 

13. Müssen alle Schülerinnen und Schüler, die ein Gymnasium besuchen wollen, den Gymnasialzweig der Oberschule besuchen, in deren Einzugsbereich sie wohnen?

Nein! Die Schülerin oder der Schüler kann weiterhin an dem eigenständigen Gymnasium angemeldet werden, da es für diese Schulform keine Schulbezirksregelungen geben wird. Der Besuch eines Gymnasiums soll unter zumutbaren Bedingungen gewährleistet bleiben. Es besteht eine Aufnahmeverpflichtung.

Eine vergleichbare Regelung hinsichtlich des Vorhaltens einer Schulform wird es für Integrierte Gesamtschulen nicht geben, da diese Schulform nicht als Regelschule vorzuhalten ist. Schülerinnen und Schüler haben aber die Berechtigung zum Besuch einer Gesamtschule eines anderen Schulträgers. Hier besteht allerdings keine Aufnahmeverpflichtung.

 

14. Wie groß werden die Klassen in der Oberschule?

Die Klassengröße für Oberschulen ist auf 28 festgelegt worden. Damit orientiert sich das Kultusministerium an den Vorgaben, die bisher schon für den gemeinsamen Unterricht zusammengefasster Haupt- und Realschulen gegolten haben.

Da zurzeit insbesondere die Hauptschulklassen erheblich kleiner sind, ist zu erwarten, dass die jahrgangsbezogenen Klassen der Oberschule in der Regel deutlich größer werden als jetzige Hauptschulklasse und nur wenig kleiner, als Realschulklassen es derzeit sind.

Aus der Statistik: Im Schuljahr 2009/10 hatten 64 % der HS-Klassen weniger als 20 Schülerinnen und Schüler und nur eine der 4.477 Klassen verzeichnete mehr als 28 Schülerinnen und Schüler.
In der Realschule und der KGS hatten nur rund 20 % der Klassen mehr als 28 Schülerinnen und Schüler.

Der Klassenbildungserlass enthält Regelungen, die die Bildung zu kleiner Klassen verhindert. So erhalten Oberschulen nur die Stundenzuweisung für jahrgangsbezogenen Unterricht. Eine schulzweigbezogene Stundenzuweisung gibt es für den Gymnasialzweig erst ab dem 7. Schuljahrgang und für den nichtgymnasialen Teil der Oberschule erst ab dem 9. Schuljahrgang. Zusatzstunden für Kursunterricht müssen für die unteren Jahrgänge, sofern die Kursbildung im Grundsatzerlass nicht verbindlich vorgeschrieben ist, beantragt werden.

 

15. Werden Oberschulen Ganztagsschulen?

Oberschulen können einen zweitägigen teilgebundenen Ganztag anbieten können. Hierfür sollen sie die Versorgung gemäß Ganztagsschulerlass bekommen, d. h., der Ganztagszuschlag wird beginnend mit dem 5. Schuljahrgang pro Schüler/in pro Tag 0,08 Lehrerstundenzuweisung betragen. Für zwei – verpflichtende - Tage erhalten die Schulen den Zuschlag für alle Schüler/innen, der Zuschlag für den dritten Tag wird nur in dem Umfang erteilt, wie Schüler/innen am offenen Ganztagsangebot teilnehmen.
Die Schulen werden, wie die bisherigen Ganztagsschulen auch, einen Teil der Lehrerstunden als Budget kapitalisiert können und müssen, um ein ausreichendes und differenziertes Angebot anbieten zu können. Im Hinblick auf die bekannten Probleme bei Vertragsabschlüssen mit außerschulischen Fachkräften kann dieses eine zusätzliche Belastung für die Schulen darstellen.

Oberschulen können auch als offene Ganztagsschulen geführt werden, sie werden dann allerdings auch nur die Ausstattung erhalten, die der Ganztagsschulerlass nach Nr. 8.2 vorsieht, d. h., höchstens 2,5 Stunden für jede Klasse in den Jahrgängen 5 und 6.

Ob sich Schulen, die jetzt schon an mehr als zwei Tagen als gebundene Ganztagsschule arbeiten, durch die Umwandlung in eine Oberschule verschlechtern und zukünftig nur noch ein teilgebundenes Ganztagsangebot machen dürfen, bleibt für diese Schulen ebenso zu hoffen wie, dass sie ihre sozialpädagogische Fachkraft für den Ganztagsbetrieb behalten dürfen.

Der Ganztagsunterricht wird beginnend mit dem 5. Schuljahrgang vom Errichtungszeitraum an aufsteigend eingeführt werden, auch wenn die gesamte Schule in eine Oberschule umgewandelt wird.

Der Antrag muss mit einem Ganztagskonzept für den gebundenen Ganztag gesondert gestellt werden und bedarf auch einer gesonderten Bewilligung.

 

16. Welche Lehrkräfte unterrichten an einer Oberschule?

Alle Lehrkräfte mit einer Lehrbefähigung für die Schulformen der allgemeinbildenden Schulen können auch an der Oberschule Unterricht erteilen. Darüber hinaus können auch Lehrkräfte mit dem Lehramt für Sonderpädagogik sowie dem Lehramt an berufsbildenden Schulen an der Oberschule unterrichten. Auch hinsichtlich der Funktionsstellen sollen die Bewerbungsmöglichkeiten für alle Lehrämter – bisher noch mit Ausnahme des FöS-Lehramtes - bestehen.

 

17a. Wie hoch ist die Unterrichtsverpflichtung für Lehrkräfte an einer Oberschule?

Die Arbeitszeitverordnung für Lehrkräfte sieht eine grundsätzliche Regelstundenzahl für Lehrkräfte der Oberschule von 25,5 Stunden vor. Abweichend davon haben Lehrkräfte, die überwiegend im gymnasialen Angebot einer Oberschule unterrichten, eine Unterrichtsverpflichtung von 23,5 Stunden. Lehrkräfte, die nicht überwiegend im 5. Schuljahrgang einer neu errichteten Oberschule tätig sind, haben die Unterrichtsverpflichtung der bisherigen Schulform, d. h. in der Regel 26,5 oder 27,5 Stunden.

Für Lehrkräfte einer IGS oder einer KGS, die nach dem sogenannten „Tarmstedter Modell“ überwiegend jahrgangsbezogen arbeitet, erhöht sich die Unterrichtsverpflichtung somit um eine Stunde, wenn die KGS oder IGS in eine Oberschule umgewandelt wird. Für Gymnasiallehrkräfte, die nicht überwiegend im gymnasialen Angebot eingesetzt sind, beträgt die Erhöhung zwei Stunden.

 

17b. Wie viele Anrechnungsstunden bekommen Schulleiterinnen und -leiter?

Die gesonderte Arbeitszeitverordnung für Schulleiterinnen und Schulleiter, die eine Verwaltungsarbeitszeit vorsah, wird vorerst nicht in Kraft treten, da die Proteste und Widerstände erheblich waren. Die Anrechnungsstunden orientieren sich deshalb bis auf Weiteres weiterhin an der Anzahl der Klassen. Bei kleinen Schulen (bis acht Klassen) bekommt der Schulleiter bzw. die Schulleiterin der Oberschule wie alle Leitungen anderer Schulen acht Stunden, bei großen Schulen mit mehr als 35 Klassen sind es 19 Stunden. Für die dazwischen liegenden Schulgrößen liegt die Zahl der Anrechnungsstunden zwischen denen, die für die Leitung einer Real- und Förderschule vergeben werden und deren, die Schulleitungen eines Gymnasiums erhalten.

 

18. Welche Funktionsstellen bekommen die Oberschulen?

Oberschulen erhalten eine didaktische Leitung. Darüber hinaus soll es eine weitere Funktionsstelle - vergleichbar der jetzt schon vorhandenen Stelle des zweiten Konrektors - geben, wenn die Schule mehr als 540 Schülerinnen und Schüler hat. Damit verfügt die Oberschule über deutlich weniger Funktionsstellen als die KGS, die IGS oder das Gymnasium.

Die Einstufung orientiert sich an der Leitungsämterstruktur der Gesamtschulen bzw. der Realschulen, d. h., von A 14 für didaktische Leitungen von Schulen mit einer Schülerzahl von mehr als 288 und Leitung kleinerer Systeme mit einer Schülerzahl bis 180 bis zu A 16 für die Leitung einer Oberschule mit mehr als 1.000 Schülerinnen und Schülern.

Oberschulen, die dank der Ausnahmegenehmigung bis 2015 weniger als 181 Schülerinnen und Schüler haben, werden keinen Anspruch auf eine didaktische Leitung haben.
Die Bewilligung einer didaktischen Leitung wird damit allein an Schülerzahlen und am Türschild festgemacht, nicht an der Organisation des Unterrichts und der damit zu begründeten pädagogischen Notwendigkeit. Eine Oberschule, die die notwendige Schülerzahl erreicht und den Unterricht in Schulzweigen organisiert, erhält eine solche didaktische Leitung, eine zu kleine Oberschule oder eine HRS, die jahrgangsbezogene Klassen einrichtet, muss auf diese pädagogische Unterstützung verzichten.

Fachkonferenzleitungen an Oberschulen mit einer Schülerzahl von mehr als 287 erhalten eine Stellenzulage von monatlich 150 Euro brutto.

Entgegen erster Ankündigungen ist somit inzwischen auch für Schulleitungen kleiner Oberschulen eine niedrigere Einstufung vorgesehen, wie der GBD kritisch anmerkt.

 

19. Bietet die Oberschule Vorteile gegenüber einer KGS oder einer HRS?

Hier ist ein genauer Blick auf die derzeitigen Bedingungen zwingend erforderlich, denn hinsichtlich der Klassengrößen könnte sich eine KGS oder eine HRS deutlich verschlechtern, wenn sie sich für jahrgangsbezogenen Unterricht entscheidet.
Wie viele Klassen wären zu bilden, wenn die Teilungszahl 28 beträgt?

Auch hinsichtlich der Funktionsstellen gilt es zu prüfen:
Auf wie viele Funktionsstellen müsste im Bereich der Schulzweigleitungen und Fachkonferenzleitungen verzichtet werden?

Und das Ganztagsangebot ist nur für die Schulen interessant, die noch nicht über eine erlassgemäße Versorgung verfügen.

Hinsichtlich des sozialpädagogischen Angebotes gibt es keine Verbesserung, wenn der HS-Zweig schon in das Hauptschulprofilierungsprogramm eingebunden ist.

Für eine KGS könnte sich ein weiteres Problem ergeben. Als Oberschule ist sie eine Regelschule und nicht mehr eine ergänzende Schulform. Sie müsste deshalb vermutlich auf Schülerinnen und Schüler aus Nachbarkreisen verzichten, die dann die dort vorhandenen Regelschulen besuchen müssen. Kooperative Gesamtschulen, die zunächst damit geliebäugelt hatten, in eine Oberschule umgewandelt zu werden, sind inzwischen von ihrem Vorhaben abgerückt, da die Nachteile durchaus überwiegen können. Es ist bisher keine KGS bekannt, die die Umwandlung in einer Oberschule plant.

 

20. Kann die Oberschule das Schulsterben im ländlichen Raum stoppen?

Nein, davon ist nicht auszugehen. Dem Rückgang der Schülerzahlen, der im ländlichen Raum bis zu 40 Prozent betragen wird, kann mit dieser Schulreform nicht entgegengewirkt werden. Notwendige Schulschließungen werden allenfalls verzögert. Zurzeit sinkt vielerorts die Hoffnung, mittels der Oberschule – möglichst mit gymnasialem Zweig - auch kleine Schulstandorte attraktiver zu machen oder erhalten zu können. Die Festlegungen in der Verordnung für die Schulorganisation bringen neben Klarheit auch Ernüchterung und Enttäuschung.

 

21. Sind kleine Oberschulen pädagogisch sinnvoll?

Über die Schulgröße, die für ein erfolgreiches pädagogisches Arbeiten erforderlich ist, kann man streiten. Wenn es in der Sekundarstufe I aber darum geht, den Kindern und Jugendlichen ein differenziertes Angebot mit Wahlmöglichkeiten zu unterbreiten, muss eine Schule auch über eine entsprechende Schülerzahl verfügen.

 

22. Kann eine Oberschule für Eltern attraktiv sein, die eine längere gemeinsame Beschulung ihres Kindes wünschen?

Die Eltern, die sich für eine längere gemeinsame Beschulung ihres Kindes einsetzen, haben es längst erkannt: Selbst eine jahrgangsgegliederte Oberschule ist keine IGS. Zeugnisnoten, Sitzenbleiben und Abschulen werden hier die Regel bleiben, Lernentwicklungsberichte und ein längeres Offenhalten des Bildungsganges sind als pädagogische Elemente der Oberschule nicht vorgesehen. Die Versetzungsverordnung schreibt für die Oberschule, anders als für die IGS, die jährliche Versetzung vor.

Bildungspolitiker der Regierungsfraktionen weisen immer wieder darauf hin, die Oberschule solle über eine besondere pädagogische Ausrichtung verfügen, aber auch leistungsorientiert arbeiten, - gemeint ist - leistungsorientierter als die Gesamtschulen. Damit wird die Pädagogik einer Gesamtschule diffamiert und es wird so getan, als seien Noten und Sitzenbleiben die Garanten der Leistungsorientierung und nicht das individuelle Fördern und das Schaffen von Leistungsanreizen in einer lernanregenden Umgebung.

In die Oberschule kommt das Kind nicht als Gesamtschüler, sondern als Haupt- und Realschüler und ggf. noch als Gymnasialschüler und wird dementsprechend zugeordnet. Das ist keine akzeptable Alternative für die Eltern, die eine längere gemeinsame Beschulung für ihr Kind wünschen und seinen Bildungsgang möglichst lange offen gehalten wissen wollen.

Interessant ist in dem Zusammenhang auch, dass der Schulgesetzentwurf in § 10a für die Oberschule – anders als für die KGS – allein die Hauptschule und die Realschule als aufeinander bezogene Schulzweige beschreibt. Der gymnasiale Zweig einer Oberschule liefe demnach eher eigenständig nebenher, was die Durchlässigkeit nach oben deutlich erschweren dürfte.

 

23. Erhalten die Oberschulen zusätzliches sozialpädagogisches Fachpersonal?

Nein, denn die angekündigten sozialpädagogischen Fachkräfte gibt es jetzt schon im Rahmen des Hauptschulprofilierungsprogramms. Dieses Programm wird bis 2014 fortgeführt und das jetzt schon an den Hauptschulen tätige sozialpädagogische Personal wird in die neu gegründete Oberschule übergeleitet. Die Zuwendungen haben einen Umfang von jeweils 0,5 Stellen für eine sozialpädagogische Fachkraft. Die bisher schon bestehende Möglichkeit für die Schulträger, diese Stellen aufzustocken, ist in den letzten Jahren nur in Ausnahmefällen genutzt worden.
Nur die selbstständigen Realschulen, die in eine Oberschule umgewandelt werden, erhalten die sozialpädagogische Unterstützung, die sie bisher noch nicht haben.

Zu klären ist jedoch noch, wie diese Beschäftigten zukünftig dienstrechtlich eingeordnet werden und wie ihre Finanzierung abgesichert werden soll.

 

24. Was kostet die Einführung der Oberschule?

Der Gesetzentwurf bezifferte die Mehrkosten im Haushaltsjahr 2011 auf 3,5 Mio. Euro, in den Folgejahren auf voraussichtlich 8 Mio. Euro.
Die Mehr- oder Minderkosten werden aber letztendlich davon abhängig sein, wie viele Klassen durch die Zusammenlegung eingespart werden können und wie viele Funktionsstellen zukünftig durch Schulzusammenlegungen und Schulschließungen wegfallen werden.

25. Wie erfolgt die Umwandlung in eine Oberschule?

Die Schule wird in Gänze in eine Oberschule umgewandelt. Die Vorgaben für die Oberschule gelten aber nur für den 5. Schuljahrgang aufsteigend. Für die anderen Jahrgänge sind die Vorschriften weiter anzuwenden, die für die entsprechenden bisherigen Schulformen gelten.

Hinsichtlich der Lehrkräfte gilt, dass – auch wenn die Schule aufsteigend ab dem 5. Schuljahrgang umgewandelt wird – alle Lehrkräfte der umgewandelten Schulen zu Lehrkräften der neuen Oberschule werden, auch die, die nur oder überwiegend in den höheren Jahrgängen Unterricht erteilen.

Eine GHRS kann – auch wenn sich die Sinnhaftigkeit diese Regelung selbst für den Gesetzes- und Beratungsdienst des Landtages nicht erschloss - nur in eine Oberschule ohne Gymnasialzweig umgewandelt werden. Bei Umwandlung in eine Oberschule mit gymnasialem Angebot muss die Grundschule abgetrennt werden. Eine Begründung hierfür fehlt, wie auch der Gesetzgebungs- und Beratungsdienst erkannt hat.

 

26. Was bedeutet die Umwandlung für die Lehrkräfte der Schule?

Die Lehrkräfte werden an die neue Oberschule versetzt. Sollte diese Oberschule aufgrund der Entscheidung für jahrgangsbezogenen Unterricht weniger Klassen bilden als die bisherige zusammengefasste Haupt- und Realschule oder die selbstständigen Haupt- und Realschulen, dürfte es auch zu Versetzungen bzw. Abordnungen an andere Schulen kommen.

Bis zur Besetzung der Funktionsstellen, für die es grundsätzlich ein Ausschreibungsverfahren geben wird, wird es eine kommissarische Leitung der Schule geben. Möglich ist – mit Zustimmung des Schulträgers - auch eine sogenannte höhengleiche Versetzung von Funktionsstelleninhabern und -inhaberinnen. Es ist davon auszugehen, dass die bisherige Leitung einer Realschule bei ansonsten gleicher Eignung einen Eignungsvorsprung gegenüber der Leitung einer Hauptschule darstellt. Möglich ist zunächst auch eine unterwertige Beschäftigung.

Wenn selbstständige Haupt- und Realschulen in eine Oberschule umgewandelt werden, sind auch die Fachkonferenzleitungen neu zu wählen.

 

27. Welche Änderungen ergeben sich für die Personalvertretung

Die Fachgruppen des Niedersächsischen Personalvertretungsgesetzes werden um die Fachgruppe Oberschule ergänzt. Normalerweise müsste innerhalb von vier Monaten neu gewählt werden. Da aufgrund der Ermittlung der Zahl der Beschäftigten in den verschiedenen Fachgruppen Neuwahlen frühestens im Frühjahr 2012 erfolgen könnten, soll durch eine Übergangsregelung der Termin der nächsten regelmäßigen Personalratswahl der Schulbezirkspersonalräte und des Schulhauptpersonalrates in der Zeit vom 06.03. bis 07.03.2012 beibehalten werden.

Diese Regelung betrifft nicht die Schulpersonalräte, die nach der Verordnung über die Personalvertretung bei Neu- und Umbildung von Dienststellen und Körperschaften vom 4. Juli 1996 innerhalb von vier Monaten neu gewählt werden müssen. Eine Neuwahl des Schulpersonalrats im Rahmen der regelmäßigen Personalratswahlen 2012 ist allerdings nicht mehr erforderlich, da dieser Personalrat am 01. Februar 2012 dann weniger als ein Jahr im Amt ist. Die Amtszeit des Schulpersonalrats verlängert sich in diesen Fällen automatisch um die vierjährige regelmäßige Amtszeit (§ 22 NPersVG). Für die Wahlen zu den Stufenvertretungen (Schulbezirkspersonalrat und Schulhauptpersonalrat) müssen jedoch der Wahlvorstand gebildet und die Wahlen durchgeführt werden.

 

28. Welche Änderungen ergeben sich für Schüler- und Elternvertretungen?

Das Kultusministerium hat im Mai 2011 Hinweise zur Eltern- und Schülervertretung an Oberschulen veröffentlicht, die inzwischen noch aktualisiert wurden. Demnach bilden bei einer aufsteigend ab dem 5. Jahrgang neu errichteten Oberschule die gewählten Vorsitzenden der Klassenelternschaften den Schulelternrat bzw. die gewählten Klassensprecherinnen und Klassensprecher den Schülerrat.

In der Oberschule gibt es nur einen gemeinsamen Schuleltern- oder Schülerrat, auch wenn eine Oberschule um ein gymnasiales Angebot erweitert wird. In Stadt-/Gemeinde- und Regions-/Kreisschüler- und -elternräten ist die Oberschule als eigene Schulform vertreten.Fällt die Errichtung der neuen Oberschule in die Mitte der Amtsperiode, des Gemeinde-, Stadt-, Kreis- oder Regionselternrats werden Mitglieder für die Schulform Oberschule in einer Nachwahl (§ 5 Abs. 2 Elternwahlordnung) bis zum Ende der Amtsperiode des Gremiums gewählt. Die Elternvertreter und –vertreterinnen aus den aufgelösten Schulen, die bereits in den Räten vertreten sind, bleiben bis zum Ablauf ihrer Amtsperiode im Amt, wenn noch eines ihrer Kinder eine Schule im Gebiet besucht. Damit kann es zu Doppelmandaten oder Unter- und Überrepräsentation von Schulformen in den jeweiligen Gremien kommen.

Wenn eine neue Oberschule errichtet wird und gleichzeitig bestehende Schulen (Hauptschule, Realschule, Haupt- und Realschule, Gesamtschule) aufgelöst und deren bisherigen Jahrgänge in die neue Oberschule übernommen werden, dann sind nach den Sommerferien in allen Schuljahrgängen neue Klassensprecherinnen und Klassensprecher sowie neue Klassenelternschaften zu wählen. Die bisherigen Amtsinhaberinnen und –inhaber der übernommenen Vorläuferschulform verlieren ihre Ämter mit Auflösung der Schulen zum Schuljahresende. Es wird ein gemeinsamer Schulelternrat gebildet.

Im Landeselternrat werden die Oberschulen durch vier Mitglieder und Ersatzmitglieder vertreten. Diese werden jeweils von dem Stadt-, Kreis- und dem Regionselternrat Hannover für jeden der ehemaligen Regierungsbezirke Braunschweig, Hannover, Lüneburg und Weser-Ems gewählt. Die Wahlen finden erstmals für die auf den 01.08.2011 folgende Amtszeit statt. Die Amtszeit des jetzigen Landeselternrates endet am 20.03.2012.

Vergleichbares gilt für die Wahlen zum Landesschülerrat. Hier endet die Amtszeit des jetzigen Landesschülerrates am 21.01.2012.

 

29. Wie werden die Planungsgruppen der Oberschulen eingerichtet?

Das MK hat im Oktober 2011 Hinweise zur Einrichtung von Planungsgruppen zur Vorbereitung des Unterrichtsbeginns an den zum 01.08.2012 neu zu errichtenden Oberschulen bekannt gegeben. Demnach sollen im Falle der Errichtung einer Oberschule ohne gymnasiales Angebot sechs und im Falle der Errichten einer Oberschule mit gymnasialem Angebot acht Lehrkräfte in der Planungsgruppe tätig werden, die für das 2. Schulhalbjahr 2011/12 insgesamt – je nach Organisationsform und Größe der Schule – zwischen sechs bis acht Anrechnungsstunden erhalten sollen.

Die Lehrkräfte der Schulen, die durch die neu errichtete Oberschule aufgehoben werden, sollen durch Aushänge und Anschreiben informiert werden, dass sie der NLSchB ihre Bereitschaft zur Mitarbeit auf dem Dienstweg erklären können. Die Entscheidungen über die Personenauswahl sowie Leitung der Planungsgruppe trifft die NLSchB unter Berücksichtigung des Niedersächsischen Gleichberechtigungsgesetzes.

Bei der Zusammensetzung soll darauf geachtet werden, dass Lehrkräfte mit den Lehrämtern vertreten sind, die in der künftigen Oberschule unterrichten. Außerdem sollten Funktionsstelleninhaberinnen und –inhaber vertreten sein. Erwünscht sind außerdem die Abbildung eines breiten Fächerspektrums sowie Erfahrungen im Unterricht verschiedener Schulformen. Die Personalauswahlentscheidung wird bei Bedarf mit dem Schulbezirkspersonalrat erörtert. Das MK weist ausdrücklich darauf hin, dass die Leitung einer Planungsgruppe nicht die spätere Entscheidung über die Besetzung des betreffenden Schulleiterstelle präjudiziert.

Auch der Schulträger soll in der Planumsgruppe vertreten sein, beratende Funktionen sollen darüber hinaus Vertreterinnen und Vertreter der zuständigen Eltern-und Schülerrate als Gastmitglieder haben.

Inhaltlich soll sich die Planungsgruppe mit dem Schuljahresbeginn für den 5. Schuljahrgang und die Gestaltung des Unterrichts befassen. Außerdem sollen Hinweise zum Fachunterricht, zu Lehr-, Lern- und Arbeitsmaterialien, Informationen für Lehrkräfte und Eltern erstellt und Fragen der Ausstattung der Schule mit dem Schulträger abgestimmt werden.