Allgemeinbildende Schulen

Bewegung tut gut!

Für einen erweiterten Bildungsbegriff durch eine umfassende Bewegungskultur

Die Besonderheit und die Unverzichtbarkeit des Sportunterrichts im Kanon der schulischen Fächer und Lernbereiche liegen in der Bewegung als wesentlichem Element des menschlichen Daseins. In der Bewegung treten Menschen in Beziehung zu ihrer Umwelt und ihren Mitmenschen. Die Erscheinungsformen von Sport sind gesellschaftlich geprägt und Teil der Kultur. Insofern bildet dieser Bereich einen besonderen und nicht austauschbaren Bestandteil der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen, der im schulischen Sport vielfache und besondere Bildungsoptionen bietet.

 

So wie die Schule die Aufgabe hat, die Bereitschaft und Fähigkeit zum lebenslangen Lernen zu fördern, so hat der Schulsport die Aufgabe, Kinder und Jugendliche anzuregen und zu befähigen, ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit und ihre Gesundheit durch regelmäßiges Sporttreiben zu erhalten. Damit wird die Bedeutung und Verantwortung des Schulsports für den Einzelnen und für die Gesellschaft deutlich.

Die Schulpolitik im Bereich Sport – nicht nachhaltig

„Lernen braucht Bewegung", „Sportfreundliche Schule" und „Aktionspläne" – Schlagwörter, die von Kultusministerium und anderen Organisationen häufig im Zusammenhang genannt werden mit der Gefahrenabwehr einer immer immobiler werdenden Gesellschaft, in der schon kleine Kinder zunehmend an Übergewicht oder gar Fettleibigkeit leiden.
Dass diese Begriffe allein das grundsätzliche Problem nicht lösen, bleibt bisweilen verschwiegen. Denn wer hübsche Broschüren wie „Leichter lernen durch Bewegung" oder „Spiele für das Bewegungslernen" herausgibt, den Kolleginnen und Kollegen aber keine Möglichkeiten einer Umsetzung beispielsweise durch räumliche Veränderungen oder zusätzliche Bewegungspausen bietet, der verkennt die zwingende Notwendigkeit eines über die rein kognitive Wissensvermittlung hinaus gehenden Bildungsanspruchs. So bleibt es häufig bei Lippenbekenntnissen, nachhaltige Veränderungen für unsere Kinder sind nicht zu verzeichnen.

Dass aber tägliche Bewegungszeiten sehr wohl großen Einfluss auf die generelle Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler haben, ist mittlerweile durch zahlreiche Studien bewiesen. So wird belegt, dass sich durch regelmäßige Bewegungszeiten die Noten der kognitiven Fächer Mathe und Deutsch verbessern. Zudem wird dem täglichen Sportunterricht eine deutliche Verbesserung des Sozialverhaltens gegenüber MitschülerInnen sowie LehrerInnen zugeschrieben, es kommt zu einer Abnahme an Aggression an den Schulen, die Schülerinnen und Schüler sind insgesamt wesentlich ausgeglichener. Kurzum: Bewegung tut dem ganzen Schulklima gut!

Deshalb fordert die GEW alle Beteiligten auf, diese mittlerweile umfassend belegten Erkenntnisse in ihre Bildungspolitik einfließen zu lassen und ein Verständnis von Schule zu entwickeln, in dem Bewegung mehr ist als zwei Wochenstunden Sportunterricht. Es gilt, einen umfassenderen Bildungsbegriff zu definieren, in dem Bewegung ein größerer Stellenwert beigemessen wird, der sich neben dem Sportunterricht auch durch schulsportliche Veranstaltungen und regelmäßige Bewegungszeiten und Bewegungsangebote manifestiert.

Die Forderungen im Einzelnen:

Keine Aktionspläne mit Absichtsbekundungen, die an einzelnen Schulen zwar Erfolg versprechend sind, aber nur Wenigen zu Gute kommen.

Umsetzung einer inklusiven Bewegungskultur, in der der Leistungs- und der pädagogische Gedanke vereinbar bleiben (beispielsweise Trennung von Bewegungszeiten mit unterschiedlichen Perspektiven/Zielvorgaben).
Einbau von Bewegungszeiten in die Stundentafeln

Keine zusätzliche Ausweitung von Leuchtturmprojekten, statt-dessen die positiven Erfahrungen in eine umfassende konsequente und nachhaltige Politik eines umfassenderen Bildungsbegriffs einfließen lassen.

Vermeidung der Umsetzung einer täglichen Bewegungszeit durch öffentlich-private Partnerschaften (sog. PPPs – Public Private Partnerships).

Konstruktive und klare Vorgaben für die Kooperation Schule-Verein, insbesondere in Bezug auf die Anforderungen eines Ganztagsschulbetriebs

Wiedereinführung der verpflichtenden 3. Sportstunde im Primarbereich und der Sekundarstufe I