Allgemeinbildende Schulen

Für eine Reform der Sekundarstufe II

Ein Diskussionsvorschlag der Fachgruppe Gymnasien

Die Verordnungen und Erlasse, die die Arbeit in der gymnasialen Oberstufe und das Abitur in Niedersachsen regeln, müssen sich an den von der Kultusministerkonferenz (KMK) gesetzten Rahmen halten, damit gewährleistet ist, dass das niedersächsische Abitur bundesweit anerkannt wird.

Die KMK-Regelungen geben gewisse Freiräume, die die Länder gestalten können. Vergleicht man z.B. die Sek II-Regelungen in Niedersachsen mit denen in Bremen oder in Rheinland-Pfalz, stellt man fest, dass diese Länder die Spielräume der KMK ganz anders nutzen und in vielen Bereichen weitergehende oder - allgemein gesprochen - bessere Regelungen aus den KMK-Vereinbarungen ableiten. Zugegeben, was als besser oder schlechter gilt, ist Standpunktsache und auch eine Frage der Erfahrung. Aber die von Schwarz-Gelb in Niedersachsen verordneten Oberstufenregelungen sind im Laufe der Jahre zunehmend in die Kritik geraten. Das zeigen die Diskussionen in den Lehrerzimmern, auf Fortbildungen und in der Gewerkschaft.
Die Fachgruppe Gymnasien macht im Folgenden Vorschläge, wie im Rahmen der geltenden KMK-Regelungen die Sek II-Bestimmungen in Niedersachsen verändert werden könnten. Ziel muss dabei sein, den Schülerinnen und Schülern einen Abschluss auf hohem Leistungsniveau, angemessene Lernbedingungen, mehr Wahlmöglichkeiten und selbstbestimmtes Lernen, Demokratiefähigkeit und insbesondere mehr nachhaltigen Lernerfolg zu ermöglichen.
Für die Kolleginnen und Kollegen muss eine solche Reform deren Vorstellungen von gutem Unterricht, hohem Niveau und angemessener Entlastung entsprechen.

Leistungskurs: 5 Stunden – Grunkurs: 3 Stunden
Anstelle der jeweils vierstündigen Kurse auf grundlegendem und erhöhtem Niveau werden wieder dreistündige Grundkurse und fünfstündige Leistungskurse (LK) unterrichtet. Eine klare Unterscheidung des Niveaus muss sich auch in der Stundenzahl niederschlagen. Man kann in einem LK ganz anders in Stoff und Methode einsteigen, wenn man in einem normalen Halbjahr gut 100 Stunden zur Verfügung hat und - blockt man die Einzelstunden im LK - alle zwei Wochen eben drei Doppelstunden in der Woche unterrichtet. Man kennt seine Schüler/innen besser und hat mehr Zeit und Ruhe, methodisch differenziert vorzugehen, zu üben und zu sichern, mal hochkonzentriert auch Kompliziertes zuzumuten oder auch einfach mal zu verschnaufen. Exemplarisches Lernen geht in die Tiefe und braucht Zeit.

Vier Prüfungsfächer
Anstelle von fünf gibt es wieder vier Prüfungsfächer: Die drei Aufgabenfelder müssen und können abgedeckt werden, die fünfstündigen Leistungsfächer stärken den Schwerpunkt und profilieren die Wahl der Schüler/innen. An kleineren Sek II-Standorten kann es nötig sein, dass z. B. bei der Wahl des naturwissenschaftlich-mathematischen oder des sprachlichen Schwerpunkts schulische Fächervorgaben gelten. Größere Systeme oder Oberstufen, die kooperieren können, brauchen solche Regelungen nicht.

Fächerübergreifende Leistungen
Es ist zu prüfen, ob Leistungen, die über den reinen Fachunterricht hinausgehen, mehr Gewicht bekommen sollten. Hier lernen Schüler/innen oft viel für Ausbildung und Studium. So könnten Umfang und Bedeutung des Seminarfachs ausgebaut und ergänzt werden. In Bremen ist z.B. eine fächerübergreifende Projektarbeit in einem Halbjahr der Qualifikationsphase, an der mindestens zwei Fächer beteiligt sind, in die Gesamtqualifikation einzubringen. Verschiedene Gymnasien in Niedersachsen praktizieren mit großem Erfolg die Besondere Lernleistung. Dokumentierte Praktika könnten einen anderen Stellenwert erhalten usw.

Andere Leistungsmessung
Es kann Schülern/innen bei der Vorbereitung des Studiums nützen und die Belastung der Lehrkräfte reduzieren, wenn in bestimmten Bereichen schriftliche Klausuren durch andere Formen der Leistungsüberprüfung ersetzt werden, z. B. durch Referate, Präsentationen, Vorführungen, Berichtsmappen. Auch vor dem Hintergrund der großen Stundenzahl, die die Schüler/innen zu absolvieren haben, können variable (Über-)Prüfungsformen motivieren und entlasten.

Kleinere Lerngruppen
Es liegt auf der Hand, dass kleinere Lerngruppen den Lernerfolg der Schüler/innen deutlich erhöhen und die Belastung der Kollegen/innen deutlich reduzieren. Eine individuellere Beratung ist möglich, differenzierte Kommentierung von mündlichen und schriftlichen Leistungen wird machbar usw. Viele der oben angedachten Vorschläge dürften ihre Wirkung erst voll entfalten, wenn auch diese Bedingung erfüllt wird.
Fachgruppe Gymnasien