Allgemeinbildende Schulen

An der Praxis vorbei: Neuer Hausaufgabenerlass in der Anhörung

Das Kultusministerium hat im Dezember eine Neufassung des Hausaufgabenerlasses in die Anhörung gegeben, der insbesondere Schülerinnen und Schüler mit Nachmittagsunterricht entlasten will. Der Entwurf soll stärker als bisher den Trend zur Ganztagsschule und die Zusatzbelastungen durch G 8 berücksichtigen.

Ohne im Einzelnen auf die gängige Praxis und die generelle Frage nach der Sinnhaftigkeit von Hausaufgaben einzugehen, lehnt die GEW zentrale Regelungen des Entwurfs ab. „Entlastung für Schülerinnen und Schüler – ja! Dazu brauchen die Schulen aber mehr als nur einen neuen Erlass. Der macht wieder die Kolleginnen und Kollegen verantwortlich, ohne entsprechende Ressourcen zur Verfügung zu stellen", fasst der Landesvorsitzende der GEW Eberhard Brandt die Kritik zusammen.
Laut Erlassentwurf soll dem geringeren Zeitbudget der Schüler/-innen eine Reduzierung des maximalen Zeitaufwands entgegenwirken, der für die Erledigung von Hausaufgaben zur Verfügung steht. Schüler/-innen der Grundschulen sollen in Zukunft täglich nicht länger als 30 Minuten, die Fünft- bis Zehntklässler nicht länger als eine Stunde und die Sek-II Absolventen nicht mehr als zwei Stunden arbeiten müssen. Beim Stellen der Hausaufgaben sind die Lehrer/innen dafür verantwortlich, „das Alter und die Belastbarkeit der Schülerinnen und Schüler sowie die Schülerteilnahme am Nachmittag zu berücksichtigen." (Erlassentwurf) Die 1.300 Ganztagsschulen in Niedersachsen könnten Schülern/innen die Möglichkeiten zur Erledigung ihrer Hausaufgaben in der Schule eröffnen und ihnen bei der Anfertigung von Hausaufgaben Hilfe anbieten, so der Kultusminister. „Das können Schulen auch über Arbeitsverträge mit pä-dagogischen Mitarbeitern regeln", so Althusmann in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

GEW will Entlastung für Schüler/innen

Die GEW unterstützt das Ziel, Schüler/-innen an Ganztagsschulen „umfassend Gelegenheit zu geben, Hausaufgaben im Rahmen der von der Schule vorgehaltenen Arbeits- und Übungsstunden bereits in der Schule zu erledigen" (Erlassentwurf), in denen die Fachlehrkräfte ihre Schüler/innen beim Üben, Vertiefen und Erweitern der Lerninhalte unterstützen und fördern. Sie hält es zudem für pädagogisch geboten, an Schultagen mit Nachmittagsunterricht Hausaufgaben für den folgenden Tag grundsätzlich in geringerem Umfang zu stellen, so dass der in den neuen Richtwerten genannte Zeitaufwand eingehalten wird.
Die im Erlassentwurf formulierten Regelungen sind aber praxisfern und können in der Regel von Schulen aufgrund der schlechten Ausstattung nicht umgesetzt werden. Die Gewerkschaft betont, dass die Ausstattung der offenen Ganztagsschulen mit Unterrichtsstunden bei Weitem nicht ausreicht, Hausaufgabenhilfe z. B. in Form von Arbeits- und Übungsstunden vorzuhalten.
Nur als Notlösung sollten zudem Schulen Hausaufgabenhilfe, finanziert aus budgetierten Mittel, durch Schüler/innen oder pädagogische Mitarbeiter/innen anbieten, denn nur Lehrkräfte sind in der Lage, in Arbeits- und Übungsstunden immer auch den Bezug zum Unterricht sicherzustellen und auf die Lernentwicklung der Schüler/innen zielgerichtet einzugehen.

Da Hausaufgabenhilfe, aber auch andere AG-Angebote im offenen Ganztagskonzept nur von bestimmten Schülergruppen angenommen werden, ist es unmöglich, die im Erlass vorgesehene Regelung umzusetzen, an Schultagen mit Nachmittagsunterricht Hausaufgaben für den folgenden Tag grundsätzlich in geringerem Umfang zu stellen. Die Lehrkräfte können im schulischen Alltag die Hausaufgaben nicht so differenziert und individuell stellen, dass sie den unterschiedlichen Belastungen der Schüler/innen gerecht werden.

GEW fordert Ressourcen für Arbeits- und Übungsstunden

Der Entwurf geht zwar von begrüßenswerten pädagogischen Erwägungen aus, berücksichtigt aber nicht die den Schulen durch entsprechende Verordnungen und Erlasse aufgezwungene Praxis. Der Entwurf schiebt den Schulen den Schwarzen Peter zu, die Defizite der schlecht oder gar nicht mit Stunden ausgestatteten Ganztagsschulen auszugleichen.
Die GEW schlägt deswegen vor, alle Schulen ausreichend mit Stunden und Ressourcen auszustatten, so dass eine Nachbereitung des Unterrichts bzw. Hausaufgabenbetreuung in der Regel von Lehrkräften im Rahmen von Arbeits- und Übungsstunden durchgeführt werden kann. Die bisher offenen Ganztagsschulen sollten zu teilgebundenen Ganztagsschulen weiterentwickelt werden, in denen Arbeits- und Übungsstunden obligatorisch sind.

Henner Sauerland