Die GEW fordert eine gute Personalausstattung und setzt sich für den pädagogischen Nachwuchs ein.

2009-09-29
Die GEW fordert eine gute Personalausstattung und setzt sich für den pädagogischen Nachwuchs ein.
Beschluss der Landesdelegiertenkonferenz
Wir kämpfen für Entlastung und für attraktive Arbeitsbedingungen!

Von der Personalausstattung der Bildungseinrichtungen werden die Arbeitsbelastung der Lehrenden und die Lernbedingungen der Lernenden unmittelbar bestimmt. Das gilt für die Arbeitszeiten, die Größe der Lerngruppen, die Betreuungsquote, den Umfang und die Qualität der pädagogischen Angebote in Kindertagesstätten, Schulen und Hochschulen, die Kapazitäten für die Entwicklung der pädagogischen Konzeptionen und deren Umsetzung, Fort- und Weiterbildung.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Niedersachsen sieht es deshalb als ihre vorrangige Aufgabe an, dafür zu sorgen, dass die chronische personelle Unterversorgung und die damit einhergehende Überbelastung überwunden und die Personalausstattung in den Bildungseinrichtungen erheblich verbessert wird. Das ist die entscheidende Voraussetzung dafür, die pädagogischen Berufe attraktiv zu gestalten.

Vorhandene Stellen erhalten ...

Für den Schulbereich fordert die GEW, dass die gegenwärtig vorhandenen Stellen für Lehrkräfte, sozialpädagogische Fachkräfte, nichtlehrendes Schulpersonal nicht nur in dieser Legislaturperiode, sondern in Zukunft erhalten bleiben. Die Ministerpräsidenten der Länder haben bei dem sogenannten Bildungsgipfel in Dresden beschlossen, dass die vorhandenen Personalres¬sourcen auch bei rückläufigen Schülerzahlen erhalten bleiben, um die bis¬lang chronische personelle Unterversorgung zu überwinden.

… und zusätzliche einrichten

In Niedersachsen ist es außerdem erforderlich, dass zusätzliche Stellen eingerichtet werden.
- Die Rückgabe des Lehrerarbeitszeitkontos muss über neue Stellen und nicht über die zusätzliche Belastung der Lehrkräfte erfolgen. Im Schuljahr 2009 / 10 wären dazu 2.000 Stellen erforderlich gewesen. 2011 beginnt die Rückgabe des Arbeitszeitkontos an den Gymnasien, dafür werden mehr Stellen benötigt, als durch das Doppelabitur freiwerden.
- Die statistische Unterrichtsversorgung erreicht nicht 100 Prozent. Um alle Schulen nach der von der Landesregierung festgesetzten Richtlinie mit Lehrkräften zu versorgen, sind bis zu 1.000 zusätzliche Stellen erforderlich.


- Erhöhung der Anzahl und Festeinstellung von Schulsozialarbeitern im Landesdienst an allen Schulformen

Die GEW fordert darüber hinaus, dass 3.000 zusätzliche Stellen eingerichtet werden, weil diese statistische Berechung dem tatsächlichen Bedarf nicht gerecht wird und weil der Personalbedarf durch die gewachsenen Ansprüchen der Eltern und jungen Menschen vergrößert wurde. Die Landesregierung ist diesen Ansprüchen teilweise nachgekommen, hat ihre durchaus sinnvollen bildungspolitischen Maßnahmen aber nicht in ausreichendem Maße personell ausgestattet.
Zu diesen Maßnahmen gehören die Einführung des Brückenjahres, die Sprachförderung im Kindergarten, die Genehmigung neuer Ganztagsschu¬len, der Ausbau der regionalen Integrationskonzepte in der Grundschule, eine höhere Gymnasialquote einschließlich Sekundarstufe II, die Zunahme vollzeitschulischer Angebote in der Berufsbildung.


Unsere Forderungen für gute Arbeitsbedingungen

Wir brauchen die zusätzlichen Stellen und die Sicherung der vorhandenen Stellen in der Zukunft, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern: für Förder- und Vertretungskonzepte, Klassenlehrerstunden, Arbeitsgemeinschaften, gebundenen Ganztagsschulbetrieb. Funktionsstunden – nicht nur für Schulleitungen – müssen eingeführt oder wieder im früher gültigen Umfang gewährt werden. Es muss dringend wieder „Luft“ ins System, um die Überlastung abzubauen. Die Einführung des Inklusionsprinzips in den Schulen, das den Postulaten der UN-Menschenrechtscharta folgt, erfordert ebenfalls zusätzliche Stellen.

Die Klassenobergrenzen müssen herabgesetzt werden. Die Regierung hat dies in ihrem Koalitionsvertrag versprochen. Die GEW fordert: 20 in der Grundschule, 25 in der Sekundarstufe, „alte“ Kursfrequenzen in der Sek II. Diese Ziele können in Rahmen von Stufenplänen schrittweise umgesetzt werden. Für diese Ziele hat die GEW Bündnispartner und öffentliche Beachtung gefunden, weil dies die gemeinsamen Interessen auch der Eltern und der Schülerschaft sind.


GEW: Den Beruf attraktiv machen!

Der gute Berufsanfang

Die Berufsanfänger müssen besser bezahlt werden. Die GEW fordert, dass die Referendarbezüge auf 1.600 Euro angehoben werden. Überdies müssen die Berufsanfänger im Tarifvertrag und in der Besoldung deutlich besser gestellt werden. In einer mehrjährigen Berufseingangsphase muss die Unterrichtsverpflichtung zugunsten einer kollegialen Begleitung herabgesetzt werden.

Bezahlung, Arbeitszeit und (Alters)-Teilzeit

Die folgenden Ziele, die den Beruf attraktiver machen, müssen die Beschäftigten im Bildungswesen selbst mit ihrer eigenen gewerkschaftlichen Kraft und der Solidarität des DGB und seiner Mitgliedsgewerkschaften durchsetzen.
- Die in Unterrichtsstunden gemessene Arbeitszeit muss reduziert werden ( max. 23,5 Wochenstunden).
- Voraussetzungslose Teilzeit und Altersteilzeit müssen es Lehrkräften ermöglichen, ihren Beruf bis zur Pensionierung aktiv und mit Freude auszuüben.
- Die Bezahlung muss stimmen:
- Verbesserung der Eingruppierung im TvL (durch Ausschöpfen der Eingruppierungs-Möglichkeiten nach dem gültigen TvL und durch eine neue tarifvertragliche Regelung, über die gerade verhandelt wird) sowie in der Besoldung (A 13 für alle)
- Wiedereinführung des Weihnachtsgeldes (Sonderzahlung)
- Erhöhung der Entgelte und Besoldung mit Reallohnsteigerung

Nur wenn Beruf und Rahmenbedingungen attraktiver werden, werden wir genug Nachwuchs gewinnen.
Und umgekehrt gilt: Wenn wir nicht genug Nachwuchs gewinnen, wird keine unserer Vorstellungen zur Verbesserung umsetzbar sein. Im Gegenteil, wenn wir die Misere des fehlenden Nachwuchses nicht überwinden, wird die Arbeit in den Schulen belastender denn je.


GEW aktiv für Nachwuchsförderung und verbesserte Studienbedin-gungen

Auch die Bedingungen in der Lehramtsausbildung müssen deutlich verbessert werden, damit das Lehramtstudium attraktiv genug ist, damit die Zahl der Lehramtsstudierenden erhöht und die Abbrecherquote erheblich gesenkt wird. Ziel muss es sein, dass in Niedersachsen genügend Nachwuchs ausgebildet wird, um den im Rahmen der Pensionierungswelle wachsenden Einstellungsbedarf zu erfüllen. Weil der Lehrkräftemangel in den nächsten Jahren bundesweit zunehmen wird, wird der Weg verbaut, Nachwuchs aus anderen Bundesländern nach Niedersachsen zu holen.

Die GEW schlägt kurz-, mittel- und langfristige Wege für die Verbesserung der Lehrerbildung vor. Darüber hinaus regt die GEW Notmaßnahmen an, mit denen dem Problem des Fachlehrkräftemangels relativ kurzfristig begegnet werden kann.

Die GEW Niedersachsen wird ihre Vorschläge mit in der Lehramtsausbildung aktiven Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern und den Studierenden erörtern und als gemeinsame Initiative gegenüber der Landesregierung und dem Landtag vertreten. Die GEW verfolgt das Ziel, politische Entscheidungen zu erreichen, die es ermöglichen, die gemeinsamen Forderungen in dieser Legislaturperiode schrittweise umzusetzen.

Kurzfristig muss die Personalausstattung der acht Hochschulen, in denen Lehramtsausbildung betrieben wird, verbessert werden, um die Betreuungsquote in Pädagogik und für das Studium wichtigen Fächern zu verbessern und die Abbruchquote zu verringern. Kurzfristige Personalmaßnahmen können in Stellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs bestehen. Die Hochschulen müssen dafür von der Landesregierung entsprechende Mittel zugewiesen bekommen. Ab sofort muss erreicht werden, dass keine Fächer und keine Stellen abgebaut werden, die für die Lehramtsausbildung relevant sind.
Kurzfristig muss ebenfalls die personelle und sachliche Ausstattung der Studienseminare und der Außenstellen deutlich verbessert werden.

Mittelfristig muss erreicht werden, dass in den Hochschulen die Mittelzuweisung für die Lehramtsausbildung erhöht wird und zwar sowohl für die Pädagogik, die Fachdidaktik sowie für alle Fächer, die für das Lehramtsstudium benötigt werden. Außerdem muss die Stellung der Lehramtsbildung in den Hochschulen gestärkt werden.
Ein Lehramtsausbildungsgesetz, das eine gleichwertige Ausbildung mit einer zweijährigen Masterphase für alle Lehrämter vorsieht und eine Stufenausbildung einführt, muss in nächster Zeit gründlich erörtert und beschlossen werden. Die GEW setzt sich dafür ein, dass das Lehramt für Grundschulen für die Schuljahrgänge 1 bis 6 auch Elemente der Elementarbildung enthält. Das Lehramt für die Sekundarstufen von Jahrgang 5 bis 13 soll für alle bisherigen Lehrämter gleich ausgestaltet sein. Für die Sekundarstufe II können spezielle Module ausgewiesen werden.

Langfristig muss für die Umsetzung eines Lehramtsausbildungsgesetzes das Hochschuloptimierungskonzept verändert werden. Für die Lehramtsausbildung müssen an allen lehramtsausbildenden Hochschulen qualitativ gleichwertige Bedingungen im Fächerangebot sowie in der personellen und sachlichen Ausstattung hergestellt werden. Auch die von der GEW favorisierte Einphasigkeit der Lehramtsausbildung ist ein langfristiges Ziel.


Notmaßnahmen

Die GEW schlägt drei Notmaßnahmen vor:
- ein pädagogisches Masterstudium für Hochschulabsolventen in Mangelfächern, die kein grundständiges Lehramtsstudium aufgenommen haben
- für Quereinsteiger muss eine systematische pädagogische Qualifizierung vor dem Einsatz in der Schulen bei vollem Entgelt eingeführt werden, um ihr Scheitern in den Schulen zu vermeiden
- für Lehrkräfte, die fachfremd Mangelfächer unterrichten, müssen im erforderlichen Umfang Kurse zur Nachqualifizierung durch Angebote des NILS eingerichtet werden