Skizze für eine andere Sek II

2009-09-29
Skizze für eine andere Sek II
Beschluss der Landesdelegiertenkonferenz
1. Ausgangspunkt: Kritik an den geltenden Sek II-Regelungen

• Schüler/innen haben in der Einführungsphase 14, in der Qualifikationsphase elf Fächer zu belegen.
• 34 Stunden sind im Durchschnitt in der Qualifikationsphase nach zwölf Jahren (G 8) Pflicht.
• Die Themenschwerpunkte werden in der Qualifikationsphase zentral festgelegt. Gefahr des teaching to the test usw.
• Festlegung der Themenschwerpunkte schließt größtenteils Fächer übergreifendes bzw. verbindendes Lernen aus.
• Die Themenbereiche sind zum größten Teil inhaltsbezogen formuliert, nicht auf den Prozess bezogen (oder die erwarteten Kompetenzen).
• Nur das zweistündige Seminarfach lässt offenere Unterrichtsformen zu.
• Längere Phasen im Unterricht, die es Schülern/innen erlauben, nach selbst gesuchten/gesetzten Fragestellungen oder auch nur projektartig zu arbeiten, sind nicht vorgesehen und praktisch (zumeist) nicht zu organisieren.
• Lernkontrollen erfolgen grundsätzlich individuell (Gruppenprüfungen sind die absolute Ausnahme) und beschränken sich im Wesentlichen auf Klausuren, sprich schriftliche Arbeiten. Referate, Präsentationen (Plakate, Szenen, ppp usw.) sind die Ausnahme.

2. Was muss ein neues Modell des Sek II-Unterrichts berücksichtigen?

• Schüler/innen müssen kompetenzorientiert unterrichtet werden, orientiert an Standards und Kompetenzstufen, nicht orientiert an einem sturen Wissenskanon. Allerdings müssen (bestimmte) Kompetenzen auch anhand bestimmter Themen bzw. Inhalte erworben werden. Es muss ein Methodenrepertoire beherrscht werden.
• Folgende Kompetenzen sind relevant: ökologische, erzieherische, ästhetisch-kulturelle Kompetenz, Bilder lesen lernen, soziale Interaktion. Aber Basiswissen muss auch gelehrt werden, z. B. im Bereich Fremdsprache(n), Mathematik, Naturwissenschaften. Wesentlich ist auch, die Schüler/innen zu motivieren. In diesem Zusammenhang spielt das (individuelle) Interesse am Fach bzw. am Unterrichtsgegenstand eine Rolle. Ganz zentral ist aber auch die Lehrerpersönlichkeit. Wichtig dürfte zudem sein, handlungsorientiert zu arbeiten. Von den Schülern/innen selbst gewählte Fragen oder Themen und selbst gewählte Wege zur Lösung und Bearbeitung motivieren.
• Es müssen neue Formen der Beurteilung bzw. Überprüfung entwickelt werden.
• Lernzeiten sind zu individualisieren. Die neue Sek II endet mit dem Erwerb des Abiturs, frühestens nach zwei, spätestens nach vier Jahren. Entscheidend ist der Nachweis der Kompetenzen.

3. Lernen und Lehren in der neuen Sek II

Wie könnte ein Modell der Sek II aussehen, das die Fehler der vorherr-schenden Praxis vermeidet und die unter 2. benannten Grundsätze berück-sichtigt?

Lernen und Lehren findet in drei Bereichen statt.

1. Lehrgänge/Basisqualifikationen
A Muttersprache
B Fremdsprache(n)
C Formensprache der Mathematik und der Naturwissenschaften
D Bildersprache (Semiotik)
Für die Lehrgänge werden Mindeststandards festgelegt, die alle Schü-ler/innen erreichen müssen. Jede/r Schüler/in hat unterschiedlich lange Zeit, kein jahrgangssortierter Unterricht, sondern individuelle Lernzeiten der Schü-ler/innen je nach Vorkenntnissen, Lerntempo und angestrebtem Niveau (ba-sal oder erhöht).

2. Projektbereich (Zentrum)
Sechs Module (Bereiche, Rahmenthemen), in denen Schlüsselprobleme behandelt (vgl. z. B. Klafki) und grundlegende Kompetenzen erworben wer-den sollen, sind (mindestens) zu durchlaufen:
• ästhetisch-kulturelle-kreative Kompetenz
• Gerechtigkeit
• Ökologie
• Ökonomie
• Erziehung
• Gesundheit und Sport
Die Reihenfolge bedeutet keine Rangfolge.
Die Module sollen in zwei bis vier Jahren durchlaufen werden. Die Reihen-folge legt der Schüler/die Schülerin fest. Die Module sind nicht auf bestimmte Jahrgänge bezogen.
Der Abschluss eines Moduls wird nach einem Kolloquium, dem Vorlegen eines Portfolios, einem Test, einer Arbeit, einem Produkt usw. bestätigt.
Nach Durchlaufen der (Mindest-)Module wird der Abschluss zertifiziert.

3. Wahlbereich
Hier setzen Schüler/innen eigene Prioritäten, suchen sich eigene Schwer-punkte, Themen und Arbeitsbereiche. Parallelen könnte man in dem zzt. praktizierten AG-Bereich sehen.
Betreuung, Unterstützung, Coaching durch Lehrer/innen und andere Fach-leute.
Ausgangspunkt der Arbeit kann/soll ein Vertrag zwischen Schüler/innen und Lehrer/innen(team) sein. Der Abschluss erfolgt nach bestimmter Zeit, Nach-weis ähnlich wie im Projektbereich.

Hier gibt es grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten:
• In der Schulwoche wechseln die Bereiche, d. h. sie werden sortiert in verschiedenen Leisten angeboten, die natürlich mehr als vier oder sechs Stunden umfassen können.
• Es wird epochal unterrichtet, z. B. 6 Wochen Lehrgänge für alle, dann sechs Wochen Projekte usw. Oder zuerst Lehrgang, dann eine Phase, in der Projekte und Wahlbereich parallel laufen.

4. Zusammenfassung

Der wesentliche Unterschied zum alten Modell macht sich an Folgendem fest:
• Weg von den Fächern
• Mehr Wahlmöglichkeiten und Selbstständigkeit für die Schüler/innen
• Individualisierung der Lernzeit
• neue Formen der Beurteilung bzw. Überprüfung