Frauen- und Gleichstellungspolitik

Zukunftstag für Chancengleichheit

Seit 2001 wird in Deutschland jährlich der „Girls'Day" durchgeführt. Auch im zwölften Jahr wird in vielen Bundesländern dieser Tag als „Girls'Day" veranstaltet, um speziell Mädchen für technische und naturwissenschaftliche Berufe zu motivieren. In Niedersachsen wird der Girls'Day als „Zukunftstag für Mädchen und Jungen" angeboten. Er wird am Donnerstag, dem 26. April stattfinden.

Schülerinnen und Schüler ab Klasse fünf sollen an diesem Aktionstag Einblicke in Berufssparten bekommen, die traditionelle Rollenmuster aufzubrechen vermögen. Sie können an Aktionen in Institutionen, Betrieben oder Hochschulen teilnehmen und sollen so Berufe erkunden, die für ihr Geschlecht eher untypisch sind und die sie daher kaum in Betracht ziehen. Getrennte Angebote für beide Geschlechter sind dafür unumgänglich und sollen von allen Beteiligten bedacht werden.

Mädchen wählen aus einem stark eingeschränkten Berufswahlspektrum

Statistiken belegen klar, dass nicht nur Mädchen, sondern ebenso Jungen sich aus dem über 350 verschiedene Ausbildungsberufe umfassenden Spektrum mehrheitlich auf ca. zehn „typische" Männer- bzw. Frauenberufe konzentrieren. Insofern besteht die Notwendigkeit, den Gendergedanken als Unterrichtsprinzip in der Berufsorientierung zu verankern.

Am Zukunftstag haben Mädchen die Gelegenheit, die Arbeitswelt in Technik, Handwerk, Ingenieur- oder Naturwissenschaften zu erleben oder weibliche Vorbilder in Führungspositionen in Wirtschaft oder Politik kennen zu lernen.

Der Frauenanteil in Technikberufen ist eher gering

Mädchen haben im Schnitt die besseren Schulabschlüsse und Noten, trotzdem entscheiden sie sich noch immer überproportional häufig für „typisch weibliche" Berufsfelder oder Studienfächer und schöpfen damit ihre Berufsmöglichkeiten nicht voll aus. Mehr als die Hälfte der Mädchen wählt aus nur zehn verschiedenen Ausbildungsberufen im dualen System – kein einziger naturwissenschaftlich-technischer ist darunter.
In Studiengängen wie Ingenieurwissenschaften oder Informatik sind Frauen deutlich unterrepräsentiert. Weiterhin bestehen starke Unterschiede in Bezug auf die Fächerwahl: Männer schreiben sich vorwiegend in Physik, Mathematik und Ingenieurwissenschaften ein, Frauen bevorzugen Sozial- und Gesundheitswissenschaften sowie Pädagogik.
Das Diagramm stellt die vorläufigen Ergebnisse für Studienanfängerinnen und Studienanfänger im Wintersemester 2011/2012 in den Studienfächern Bauingenieurwesen, Informatik, Maschinenbau und Elektrotechnik dar.

Der Zukunftstag will durch praktische Einblicke in die technischen und naturwissenschaftlichen Berufsbereiche die Präsenz der Mädchen in diesen Berufen stärken und fördern.

Jungen entdecken die Herausforderungen in Pflege und Erziehung

Jungen haben am Zukunftstag die Möglichkeit, in Dienstleistungsberufe z. B. in den Bereichen Erziehung, Soziales, Gesundheit und Pflege zu schnuppern.

Im pädagogischen Bereich von KiTas beispielsweise waren im Jahr 2009 etwa 3% aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Männer (vgl. Statistisches Bundesamt 2010a). In konkreten Zahlen bedeutet das, dass knapp 8.000 Erzieher weit mehr als 330.000 Erzieherinnen gegenüber stehen. Dass Männer im Bereich der frühkindlichen Erziehung und Bildung eine Bereicherung für eine heterogene Lebenswelt darstellen, liegt auf der Hand. Jetzt gilt es, diese Berufe den Jungen nahe zu bringen.
So trägt der Zukunftstag dazu bei, durch praktische Einblicke in die pflegerischen, sozialen und erzieherischen Berufsbereiche die Präsenz der Jungen in diesen Berufen zu fördern und zu stärken.

Der „Zukunftstag für Mädchen und Jungen" steht für Vielfalt und Chancengleichheit. Weder Geschlecht noch kultureller Hintergrund sind ausschlaggebend für die berufliche Eignung. Perspektiven werden geöffnet – ganz individuell nach Neigung und Talent.
Der Weg Niedersachsens, den „Zukunftstag für Mädchen und Jungen" in ein umfassendes Berufsorientierungsprogramm der Schulen einzubetten, soll nachhaltig dazu beitragen, geschlechtsspezifisches Berufswahlverhalten aufzubrechen. Der „Zukunftstag für Mädchen und Jungen" ist rechtlich als Maßnahme der Berufsorientierung im Runderlass des Kultusministeriums vom 01.12.2011 – Berufsorientierung an allgemein bildenden Schulen – unter Nr. 4.5 „Zukunftstag für Mädchen und Jungen" verankert.
Die regionale Website des Girls'Day /Zukunftstages in Niedersachsen bietet Informationen und Materialien für Mädchen, Jungen, Schulen, Betriebe und Eltern.

www.zukunftstag-fuer-maedchen-und-jungen.de

Dort sind die Veranstaltungen für Mädchen mit der Aktionslandkarte der Girls'Day-Bundeskoordinierungsstelle verlinkt. Für Veranstaltungen, die sich an Jungen richten, gibt es eine Auswahl an Aktionen im Sinne von Best Practice.
Wir unterstützen die Initiative, Mädchen wie Jungen dahin gehend zu motivieren, ihre Talente und Neigungen voll auszuschöpfen und bei der Lebens- und Berufsplanung ein breites Spektrum von beruflichen Möglichkeiten – jenseits von geschlechtstypischen Stereotypien und Traditionen – in den Blick zu nehmen.

Die GEW ruft daher auch in diesem Jahr alle Kolleginnen und Kollegen dazu auf, den Zukunftstag für Mädchen und Jungen am 26. April zu unterstützen!