Unterrichtsmaterialien

Unterrichtsreihe „Zwangsheirat“ zum Ausleihen

unterricht-zwangsheiratGewalt im Namen der Ehre hat viele Gesichter: Bei Gewalt im Namen der Ehre handelt es sich um Gewalt, die zur Erhaltung der vermeintlichen Familienehre angewendet wird. Sie fängt an bei psychischem Druck und reicht von emotionaler Erpressung über körperliche und sexualisierte Gewalt bis hin zu Zwangsverheiratungen oder so genannten Ehrenmorden.

 Zwangsheirat ist eine Menschenrechtsverletzung

Überall auf der Welt werden Mädchen und Frauen gegen ihren Willen verheiratet – auch in Deutschland! Im Jahr 2011 wurde unter der Mitarbeit von TERRE DES FEMMES die Studie „Zwangsverheiratung in Deutschland" veröffentlicht. Darin wurde deutlich, dass in Deutschland jedes Jahr über 3.400 Mädchen und Frauen von einer Zwangsverheiratung betroffen oder bedroht sind. In der ebenfalls 2011 herausgegebenen Studie „Ehrenmorde in Deutschland 1996-2005" wurden 78 Fälle untersucht.

Diese Untersuchungen ergaben, dass es 12 „Ehrenmorde" pro Jahr in Deutschland gab, die von der Justiz erfasst wurden. Zahlreiche Berichte von in Deutschland lebenden Migrantinnen und auch Migranten bestätigen die Brisanz des Problems. Zwangsheirat wird unabhängig von der Aufenthaltsdauer in Deutschland als traditionelles Muster der Familienbildung benutzt.

Zwangsheirat ist nur die „Spitze des Eisbergs"
Schon im Vorfeld einer Zwangsverheiratung werden Frauen und Mädchen in ihrer Freiheit und Selbstbestimmung eingeschränkt. Dabei stehen sie ständig im Konflikt zwischen der Kultur des Herkunftslandes einerseits und den Lebensformen der deutschen Gesellschaft andererseits. Aus Rücksicht auf die Traditionen ihrer Familie nehmen Frauen und Mädchen Einschränkungen und Verbote hin. Eine drohende Zwangsverheiratung macht den Konflikt schließlich unerträglich.
Zahlreiche Hilfsangebote für von Zwangsheirat betroffene oder bedrohte junge Frauen existieren zwar bereits, Informationen dazu erreichen die Opfer allerdings leider vielfach zu spät oder gar nicht. Gerade an diesem Punkt kann Schule eine wichtige Funktion erfüllen, indem sie präventiv arbeitet.

Für viele betroffene Mädchen ist die Schule der einzige Ort, an dem sie sich – ohne die soziale Kontrolle der Familie – frei bewegen können.
TERRE DES FEMMES hat eine Unterrichtsmappe für Schulen entwickelt, die Schülerinnen und Schüler mit Texten, Aufgaben und Spielen an das Thema Zwangsheirat heranführt. Durch Diskussionen, eigene Beiträge und Mitmachtheater setzen sich die Jugendlichen aktiv mit dem Thema auseinander. Zeitungsartikel, Berichte Betroffener, Buch- und Filmausschnitte erklären das vielschichtige Problem der Zwangsheirat.
Die Präventionsarbeit mit Hilfe des Unterrichtsmaterials soll einerseits die Mädchen stärken und ihnen das Selbstbewusstsein geben, NEIN zu sagen, wenn ihre Persönlichkeitsrechte verletzt werden.grafik zwangsheiratAndererseits kann sie die Verständigung verbessern, um ein wirkliches Kennenlernen von Werten und Traditionen der jeweils anderen Kultur zu ermöglichen.
Deshalb hat das erste Kapitel der Unterrichtsreihe das Ziel, einen Austausch über die jeweils eigenen Gewohnheiten, Bräuche und religiösen Feste anzuregen. Nicht nur die in Deutschland „fremde" Kultur, sondern auch die positiven und negativen Aspekte der christlich geprägten Tradition sollen dabei betrachtet werden.
Anhand von Texten und Zeitungsartikeln widmet sich das zweite Kapitel dem Thema Zwangsheirat, erläutert den tiefen Zwiespalt der betroffenen Mädchen und gibt Informationen über Hintergründe und Auswirkungen. Kapitel 3 geht einen Schritt weiter und gibt Anleitungen, um Auswege und Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Die Schülerinnen und Schüler sind immer wieder gefordert, selbst initiativ zu werden und gemeinsam nach geeigneten Strategien zu suchen.
Ergänzt wird die Unterrichtsmappe durch einen DVD-Film „Wo Mädchen wenig wert sind", einer Broschüre „Tatmotiv Ehre" und einem Plakat „Wer entscheidet, wen du heiratest?".

Das Referat für Frauenpolitik bietet allen Kolleginnen und Kollegen an, das Material zum Ausleihen zu beziehen: Kontakt b.engelke@gew-nds.de oder Hlynsdottir@t-online.de